Hegels philosophisches Werk erlebt gegenwärtig eine interkontinentale Renaissance; seine Rechtsphilosophie, einst der Klassiker politischen Denkens, scheint demgegenüber etwas vernachlässigt. Das könnte sich mit der Studie des Frankfurter Philosophen Axel Honneth rasch ändern, der sich in sechs Kapiteln mit "individueller Freiheit" und "Sittlichkeit" auseinandersetzt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 01.12.2001
Axel Honneth versucht sich an einer Relektüre der Hegelschen Rechtsphilosophie - und zwar aus der (Frankfurter) Perspektive einer kritischen Gesellschaftstheorie. Die Hegelsche "Sittlichkeit" wird dabei zum Ort eines "kommunikativen Freiheitsbegriffs", den "Familie, bürgerliche Gesellschaft und Staat" verbürgen. Honneth vertraut auf die Fähigkeit der Individuen, Freiheitsrechte in vernünftiger Anerkennung des anderen durchzusetzen, und macht Hegel zum Vorwurf, dass er zuletzt immer die Absicherung in staatlichen Institutionen gesucht hat. Rezensent Ludger Heidbrink nun findet Honneths Umgang mit Hegel ein wenig zwiespältig. Einerseits, räumt er ein, leiste Honneth eine "eigenwillige und stellenweise imponierende" Neuinterpretation, andererseits aber setze er eine kommunikative Vernunft der Lebenswelt voraus, an die Hegel nicht geglaubt hat. An dieser Stelle droht, so Heidbrink, die Gefahr einer Einebnung sehr verschiedener Konzepte. Nicht ohne Ironie sei es, dass angesichts von Honneths staatsferner Zuversicht Hegels Wertschätzung des positiven Rechts ihn geradezu, wie Heidbrink schreibt, zum "kritischen Sozialphilosophen" mache.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 10.10.2001
Rüdiger Bubner bespricht das Werk von Axel Honneth, das sich auf unkonventionelle Art und Weise mit Hegels Rechtsphilosophie beschäftige, indem es sie in Beziehung zu aktuellen Gerechtigkeitsdebatten setzt. Der Schwerpunkt dabei liege nicht auf den Hegelschen Erkenntnissen zu Staat und Gesellschaft, sondern auf der Situation der heutigen Kleinfamilie. Damit bewerte der Autor "in Neo-Frankfurter Konsequenz" den "guten Hegel", nämlich den jungen, mit den "Idealen eines versöhnten Soziallebens", höher als den Staatstheoretiker Hegel, was auf teilweise sehr einleuchtende, teilweise aber auch etwas eingeschränkte Weise geschehe.
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