Bücher der Saison
Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.
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Klappentext
Mit 402 farbigen Abbildungen. David Hockney hat die großen Meisterwerke der Kunstgeschichte unter die Lupe genommen und dabei eine erstaunliche Beobachtung gemacht: Anfang des 15. Jahrhunderts, in einer relativ überschaubaren Zeitspanne, bekommen die Gemälde plötzlich eine Präzision und Lebendigkeit, die einem Qualitätssprung gleichkommt. Hockney begann, eine Vielzahl von Bildern systematisch zu untersuchen und diskutierte seine Beobachtungen bald in einem ausgedehnten Briefwechsel mit dem Fachmann Martin Kemp sowie mit anderen internationalen Experten aus Kunst und Naturwissenschaft. Seine These: Die Künstler hatten sich beim Malen nicht allein auf ihr Auge verlassen, sondern optische Hilfsmittel eingesetzt - Spiegel, Prismen und Linsen, die ihnen neue Möglichkeiten der Darstellung der Wirklichkeit boten.
Rezension Perlentaucher
Im Jahre 2001 erschien David Hockneys "Geheimes Wissen - Verlorene Techniken der Alten Meister wiederentdeckt". Der englische Künstler zeigt darin, dass die europäische Malerei seit dem frühen 15. Jahrhundert ohne die Kenntnis der von den Künstlern verwendeten optischen Techniken nicht zu verstehen ist. Es ist ein klug komponiertes Buch, das sowohl überwältigendes Bildmaterial vorlegt als auch schriftliche Belege für die frühe Verwendung der Laterna Magica oder ähnlicher Apparaturen. Das Buch wurde sofort in allen größeren Feuilletons besprochen. Es war ein wenig Sensationshascherei dabei. Aber es geht bei der Kunst nun mal nicht ohne Empfindungen. Bis heute ist das Buch in keinem kunsthistorischen Fachorgan besprochen worden. Der akademische Betrieb will sich nicht stören lassen von einem Handwerker. Die Kunstgeschichte besteht zu neunzig Prozent aus Belletristik, Philosophie, Geschichte oder einer mehr oder weniger gekonnten Mischung dieser drei. Wie hergestellt wird, worüber sich so schön reden und forschen lässt, interessiert kaum jemanden. Man schwärmt lieber von der "Meisterschaft", als herauszubekommen, worin sie bestand...
Lesen Sie mehr in Arno Widmanns 'Vom Nachttisch geräumt'
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 15.11.2001
Marktschreierisch ist nur der Titel. Was sich dahinter verbirgt, ist für Elke von Radziewsky ein Beweis für die Großartigkeit des Handwerks und der Lust am Schauen. Hoffentlich werden es viele kaufen, das Buch, hofft die Rezensentin inständig und beteuert, in den letzten Jahren nur wenige Kunstbände gesehen zu haben, "die so lebendig, herzerfrischend und offen mit der Malerei umgingen." Das rührt zum einen wohl daher, dass Hockney ein "guter Erzähler" ist, zum andern aber ist es ganz bestimmt auch einfach die Welt der Bilder, die hier bezaubert, eine, "die schöner und lebendiger ist, als die, die wir aus dem Fernsehen kennen." Wenn Hockney der solchermaßen eingestimmten Rezensentin sodann seine These kredenzt, "dass sich realistisches Malen nicht langsam entwickelte, sondern plötzlich da war - ein Qualitätssprung," und mit Korrespondenzen mit Fachleuten winkt, verwundert es also nicht, dass sie sie begeistert aufnimmt.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.10.2001
"Lebte womöglich die ganze Kunstgeschichte der letzten sechshundert Jahre aus dem geheimen Vorbild fotografischer Wirklichkeitsschilderung?", fragt Martin Mosebach im Gleichklang mit dem PopArtisten und Kunstrevolutionär David Hockney, der seine wissenschaftlichen Betrachtung über die Kunst in einem opulenten Kunstband vorstellt und eben nach seinem Rundgang durch die Kunstgeschichte zu diesem Schluss gefunden hat. Stets habe Hocknewy, berichtet der Rezensent, seine Kunst mit akademisch-wissenschaftlicher Forschung verbunden und so Eindrucksvolles in die Wege geleitet. Hockneys Analyse von Caravaggio als modernem Filmregisseur, der das Licht wie mit Scheinwerfern gelenkt habe, hat Mosebach zutieftst überzeugt. Der Band ist für den Rezensenten ein großes Bilderbuch, ein Denkmal Hockneyscher Gedankenblitze und dabei auch noch ein großes Lesevergnügen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.10.2001
Verärgert zeigt sich Beate Söntgen eigentlich bloß über den Klappentext des Buches. Die dort zu lesenden Ausführungen über die kunsthistorischen "Entdeckungen" David Hockneys hält sie wohl für eine Beleidigung für jeden Kunsthistoriker. "Zum Glück ist Hockney selbst bescheidener." Der Maler nämlich bleibt seinem angestammten Metier nicht nur dadurch treu, dass er "mit Bildern argumentiert," wenn er die mit Hilfe optischer Instrumente entstandenen Werke den nach Augenmaß entstandenen gegenüberstellt, er betreibt seine Erkundung der künstlerischen Tradition eben auch mit der Neugierde und der Leidenschaft des Künstlers. Dokumentiert findet Söntgen das nicht zuletzt in dem im Band enthaltenen Briefwechsel Hockneys mit dem Wissenschaftler Martin Kemp. Wenn also das Buch das Versprechen der "sensationellen Entdeckung" auch nicht hält, so bietet es dem Leser doch immerhin "die anrührend schöne Geschichte einer wechselseitigen Erhellung von Kunst und Wissenschaft."
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