Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Klappentext
In einem lebhaften Dialog bieten Edward Lucie-Smith und Judy Chicago einen neuen, anderen Blick auf die Kunstgeschichte. Sie beleuchten den sozialen und kulturellen Kontext, in dem Künstlerinnen und Modelle gelebt und gearbeitet haben. Auch bei anerkannten Meisterwerken wagen sie die Frage, wie deren künstlerischer Wert beurteilt werden muss. Die Doppelperspektive von Frau und Mann, renommiertem Kritiker und engagierter Künstlerin, führt zu verblüffenden Erkenntnissen.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.01.2001
Felicitas von Lovenberg hat starke Zweifel, ob sich "der große-kleine Unterschied" zwischen Mann und Frau mit in diesem Buche entwickelten Thesen kunsthistorisch erledigen lasse. An der Ungleichheit zweifelt sie selbstredend nicht. Doch ihrer Ansicht nach krankt das Buch an dem Zwang, "jedes der zitierten Werke pauschal als Beispiel" einer feministisch motivierten Schelte vorführen zu müssen. Dabei stört sie schon der politisch-korrekte Stil von Edward Lucie-Smith. Judy Chicagos feministische Untermauerung derselben Thesen nervt dann durch Redundanz. Abschreckend auf die Rezensentin wirkten besonders der "inquisitorische Jargon" der Überschriften. Man merkt dem Ton der Rezension an, dass sie gerne ein besseres und relevanteres Buch zu diesem Thema besprochen hätte.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 31.05.2000
Elisabeth Bronfen, einer der Stars unter den Gender-TheoretikerInnen der 90er-Jahre, setzt sich mit dem ihr grundsätzlich konträren Ansatz der Künstlerin Judy Chicago, deren große Zeit die 70er-Jahre waren, auf erstaunlich faire Weise auseinander. Sie referiert ausführlich deren Positionen, die alle um die These einer festgeschriebenen Relation von Bild, Bildinhalt und Bildrezeption kreisen. Diese These, so Bronfen, bestimmt auch die Bildauswahl des reich illustrierten Bandes: der "Andere Blick" der Frau und auf die Frau soll in Bildern von starken Frauen wie starken Bildern von Frauen (als wiederentdeckten Künstlerinnen) gefunden werden. Chicago ignoriere dabei völlig, so Bronfens theoretischer Haupteinwand, "dass es viele, oft widersprüchliche Wege gibt, wie Bilder in der Welt sind, wie sie dort wirken, und wie wir sie individuell aufnehmen." Der Eindeutigkeit der Beziehungen stellt Bronfen das Modell eines "negotiated reading" gegenüber, das der Betrachterin (wie dem Betrachter) die Möglichkeit der Aushandlung eines eigenen Blicks mit dem Bild zugesteht. Unfreiwillig entlarvend, so Bronfen, sei das Verhältnis von Künstlerin-Autorin Judy Chicago und dem Kunsthistoriker Edward Lucie-Smith. Es scheine so, als habe Chicago die männlich-wissenschaftliche Bestätigung ihrer Thesen nötig. Zur ungewollten Ironie des ganzen Unterfangens trage zusätzlich bei, dass die Bildauswahl sich justament als "Hommage an unser tradiertes Bildrepertoire des weiblichen Körpers" erweise.
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