Severina schweigt. Sie schweigt seit jenem Tag, als Massimo sie verlassen hat, mit der Touristin, die keiner kannte. Doch eines Tages sieht sie jemanden die Bergflanke heraufkommen und weiß sofort, daß es niemand anderes ist als er. Und während Massimo den langen Weg vom Dorf auf die Alm zurücklegt, ist Zeit genug, das Gewesene, das Erlebte und das Kommende einer - vielleicht - gebrochenen Liebe in einer wunderbar poetischen Sprache zu vergegenwärtigen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 09.10.2001
Ein Roman aus den Bergen, den italienischen Alpen nahe der Schweizer Grenze. Und in den Bergen, so heißt es doch allgemein, ist man ausgesprochen wortkarg. Die Stadt dagegen beziehungsweise der Stadtmensch ist geschwätzig, wie man schon an seiner ungehemmten Nutzung des Handys sieht. Um "Leid und List des Schweigens" geht es für Manfred Papst in Schroeders Roman, dem er einen "unangestrengten archaisierenden Ton" attestiert, der ohne jede Geschwätzigkeit daherkommt. Obwohl nicht nur einer redet in diesem Buch, sondern zwei: ein Paar, das sich auseinandergelebt hat, sie oben in den Bergen, er unten in der Stadt, und während er den Berg nach oben zu ihr hinaufsteigt und sie dort auf ihn wartet, gehen imaginäre Dialoge hin und her, ziehen andere am erzählerischen Strang, hinter dem letztlich ein ganzes Dorf sich verbirgt. Dem Autor, bisher eher als Fernseh- und Hörspielautor hervorgetreten, sei ein plausibler Roman gelungen, schreibt Papst.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.10.2001
Viele Worte hat der Rezensent mit dem Kürzel "ker" für den Roman von Bernd Schroeder, den er für einen "Spezialist für untergegangene Welten" hält, nicht übrig. Kalenderblattartige Naturgemälde und lyrische Einsprengsel kennzeichneten die Geschichte über den Bergführer Massimo, der hoch über dem Comer See seinen Frauengeschichten frönt. "ker" jedenfalls mochte der "Beziehungstour" des Bergführers und seiner Ehefrau Severina nicht bis zum Ende folgen.
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