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zuletzt aktualisiert 20.03.2010, 13.13 Uhr

Bücher der Saison

Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Sebastian Haffner

Schreiben für die Freiheit

1942 bis 1949: Als Journalist im Sturm der Ereignisse

Cover: Schreiben für die Freiheit

Transit Buchverlag, Berlin 2001
ISBN-10 3887471695
ISBN-13 9783887471699
Gebunden, 231 Seiten, 19,43 EUR

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Klappentext

Herausgegeben von Rainer Nitsche, übersetzt von Sigrid Ruschmeier. Die berühmten Artikel Sebastian Haffners aus dem Londoner OBSERVER zum ersten Mal in deutscher Sprache: Porträts u.a. über Himmler, Hitler, Rommel, Goebbels und Speer. Überlegungen u.a. zur Kriegslage in Europa, zum Kriegsende 1945, zum Umgang mit den Nazis und zur Zukunft Deutschlands nach dem Krieg.

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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 26.03.2002

Es lohnt sich immer, Haffner zu lesen - trotzdem geht unter der derzeit heran- und vorbeirollenden Haffner-Welle einiges verschütt, hat der Rezensent Andrew James Johnston, ein in Berlin lebender Anglist, beobachtet. So etwa die Vergänglichkeit von Haffners Büchern, die nicht von allen Verlagen erkannt werde. Bestes Gegenbeispiel sei jedoch die im Transit Verlag erschienene Sammlung von Kommentaren, die Haffner als politischer Redakteur des Londoner Observer in den Jahren1942 bis 1949 geschrieben hat. Anhand der erstmals übersetzten Texte spüre der Leser Haffners Zeitgebundenheit unmittelbar, etwa wenn der über die Zukunft Deutschlands nachdenke. "Gerade weil man weiß, dass vieles ganz anders gekommen ist, bewundert man die Brillanz seiner Analysen", urteilt Johnston. Anders als es etwa der Kindler Verlag mit Haffners zur Biografie aufgeblasenen Essay über Churchill getan habe, verkläre die Kommentar-Sammlung Haffner nicht zum allwissenden "Geschichtsorakel".

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.03.2002

Angetan äußert sich Rezensent Jürgen Peter Schmied über diese "lesenswerte" Auswahl von Artikeln, die Sebastian Haffner zwischen 1942 und 1949 für den britischen "Oberserver" geschrieben hat. Zum erstemal lägen jetzt, schreibt Schmied, Haffners Arbeiten für diese Zeitung in deutscher Sprache vor. Mit ihnen sei dem Autor der Durchbruch als politischer Journalist geglückt, und der Rezensent findet diese "Kommentare zur Tagespolitik" des in englisch schreibenden Exildeutschen auch über vierzig Jahre später noch interessant. Vor allem deshalb, weil Haffner auch damals schon "jene analytischen Fähigkeiten" besessen habe, die ihn später zu einem Bestsellerautor und Starjournalisten gemacht hätte. Der Herausgeber des Bandes hat "in Anmerkungen die historischen Rahmenbedingungen erläutert" und ein "kurzes Nachwort" verfasst. Hier allerdings vermisst der Rezensent etwas ausführlichere Informationen über Haffners Rolle beim "Observer".

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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.12.2001

Sehr beeindruckt zeigt sich Rezensent Alex Rühle vom Lebenswerk Sebastian Haffners und nennt ihn dank seiner Weitsicht und Unbeirrbarkeit einen Geistesverwandten Winston Churchills. Deshalb findet Rühle es auch nur angemessen, dass es jetzt drei Wiederauflagen bzw. Neuveröffentlichungen von und über Sebastian Haffner gibt:
1.) Sebastian Haffner: "Churchill"
Bei diesem Biografie Haffner über Winston Churchill handelt es sich um eine Wiederauflage des 1967 erstmals veröffentlichten Buches. Nach Ansicht des Rezensenten merkt man der Biografie die Bewunderung an, die Haffner für Churchill empfand, ja er findet sogar, dass Haffner den britischen Politiker und "bulligen Einzelgänger in lustvoller Emphase feiert". Trotzdem verliere Haffner nicht seine kritische Distanz und werde seinem Forschungsobjekt gerade deshalb gerecht, so Rühle, "weil er auch Churchills Schwächen scharf ausmodelliert", z.B. seinen Starrsinn, seinen Machthunger und auch seine Sympathien für die Anfänge des Faschismus.
2.) Sebastian Haffner: "Schreiben für die Freiheit. 1942-1949"
Der Rezensent zeigt sich ziemlich beeindruckt von den hier kompilierten Texten, die Haffner einst für den Observer, die bedeutendste liberale englische Zeitung geschrieben hat und findet, dass sie auch 60 Jahre nach ihrem Erscheinen noch lesenswert sind, weil sie "Ironie und kühle Analyse, feinkörnige Alltags-Beobachtung und erfundenen Szenarien kunstvoll" miteinander verbinden. Was Rühle besonders gefällt: Haffner kann pointiert erzählen und scharf- und weitsichtig analysieren. Diese Kombination hebe ihn ganz deutlich von den "blassgrauen Leitartikeln seiner Zeit" ab. Ein interessantes Dokument ihrer Zeit sind die Texte nach Rühles Ansicht zudem auch noch. Sie machten deutlich, "wie viele Optionen nach dem Krieg durchgespielt wurden" hinsichtlich des Neugestaltung Europas und der Welt. Die Verwirrung darüber, was nun zu tun ist, die sich durch die Leitartikel dieser Zeit gezogen habe, finde sich zwar auch in Ansätzen bei Haffner - gerade das aber macht nach Rühles Meinung deutlich, wie die politische Wirklichkeit "sich aus einer Gemengelage von Fakten und Möglichkeiten, Wünschen und strategischen Zwängen ... herausgeschält hat".
3.) Uwe Soukup: "Ich bin nun mal Deutscher. Sebastian Haffner. Eine Biografie"
Gar nicht begeistert ist Rühle hingegen von der Biografie, die der Verleger Uwe Soukup über Sebastian Haffner geschrieben hat. Seiner Ansicht nach hat der Autor "die Chance des Nachgeborenen" vertan, "der aus der Retrospektive ein ganzes Leben überblicken kann". Statt dessen hangele sich Soukup brav und fleißig an der Lebensgeschichte Haffners entlang und schaffe es nicht "den Frei- und Quergeist, den agent provocateur" zu erklären. Rühle kritisiert vor allem, dass sich Soukup bei der Beschreibung der Jugendjahre des Publizisten zu stark an Haffners autobiografischem Abriss "Geschichte eines Deutschen" orientiere und nur das paraphrasiere, was Haffner in seiner Autobiografie selbst mitgeteilt habe. Auch würden seine späteren Jahre zu schwach ausgeleuchtet; und "sein dritten Lebensentwurf, als Publizist, Schriftsteller und Historiker im Nachkriegsdeutschland" kommt nach Ansicht des Rezensenten eindeutig zu kurz.

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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 27.09.2001

Mehr als wohltuend nimmt Volker Ullrich auf, dass der vorliegende Band mit Texten des großen Historikers und Journalisten Sebastian Haffner, die er in den Jahren 1942 bis 1949 in der angesehenen britischen Sonntagszeitung "Observer" veröffentlicht hat, deutlich von sämtlichen anderen jüngst erschienenen Haffner-Bänden abhebt. Die "Haffner-Renaissance" hat endlich etwas aufregend Neues zu bieten, denkt der Rezensent und er verleiht seiner Verwunderung darüber Ausdruck, dass bisher noch niemand auf die Idee gekommen ist, sich für Haffners Zeit beim "Observer", bei dem der gelernte Jurist nach seiner Emigration aus Deutschland im Jahr 1938 eine Anstellung gefunden hatte, näher zu interessieren. Ullrich jedenfalls hat hier den "temperamentvollen Journalisten" Haffner entdeckt, der voll kluger Hell- und Umsicht brillante Analysen des Zeitgeschehens verfasst und ebenso brillante Skizzen über Hitler, Goebbels, Himmler, Göring und Speer sowie in der Nachkriegszeit über Adenauer und Heuss gezeichnet hat, die für den Rezensenten in Kürze und Prägnanz nicht treffender hätten formuliert werden können. Auch wenn manche Artikel Fehleinschätzungen und Irrtümer enthielten, schränkt der Rezensent seine Begeisterung ein, zeugten sie trotzdem von einer erstaunlichen analytischen Kraft und Weltsicht. Mit den Texten hat Haffner Ullrich bewiesen, wie virtuos er sich in der Doppelrolle des politischen Kommentators und des historischen Essayisten bewegen konnte. An Aktualität haben Haffners Artikel als "Zeitdiagnosen von seltener Prägnanz" für Ullrich jedenfalls kaum eingebüßt.

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