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zuletzt aktualisiert 18.03.2010, 20.18 Uhr

Bücher der Saison

Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Undine Gruenter

Das Versteck des Minotaurus

Roman

Cover: Das Versteck des Minotaurus

Carl Hanser Verlag, München 2001
ISBN-10 3446201009
ISBN-13 9783446201002
Paperback, 190 Seiten, 17,90 EUR

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Klappentext

Die Cité des Platanes ist einer der großen Gebäudekomplexe am Fuß von Montmartre, in dem über vierhundert Wohnungen untergebracht sind. Im Glaskasten gegenüber der Wohnung der Concierge tauchen plötzlich, wie von Geisterhand eingeschmuggelt, kurze, als Tierfabeln getarnte Mitteilungen auf, die den Hausfrieden empfindlich stören. Von wem stammen sie und wer ist gemeint? Luis Gonzales (ein falscher Name), die schöne Dolores (ein falsches Biest), ihr Sohn Julio (ein angehender Detektiv) und der (richtige) Hund Emile sorgen dafür, daß diese immer verrückter werdende Detektivgeschichte am Ende gut ausgeht.

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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.03.2002

Yvonne Gebauer bedenkt diesen Roman von Undine Gruenter mit großem Lob. Es geht darin um einen labyrinthischen Mikrokosmos im modernen Paris, ein Wohngelände, das "Anschlägen des Phantastischen auf die Wirklichkeit" ausgesetzt ist. Durch die Suche nach den "Attentätern" wird die Geschichte zu einer Kriminalgeschichte, durchsetzt von einer Liebesgeschichte. Dennoch sei kein eindeutiger Erzählfaden auszumachen, so die Rezensentin. Vielmehr würden verschiedene Texte und Elemente aus Mythen miteinander verwoben, so dass sich die Geschichten der Vergangenheit mit dem Übergang zum neuen Jahrtausend vermischen. Auf diese Weise sei ein "dezidierter (und geglückter!) Gegenentwurf" zur kalten und resignierten Beschreibung der Welt, wie sie ein Houellebecq zeige, entstanden, in dem es nicht bloß um Lobpreisungen der Vergangenheit ginge, sondern vielmehr um das Thema der Überschreitung in den verschiedensten Facetten.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 10.11.2001

Joachim Otte bemüht sich, auch die positiven Seiten an Undine Gruenters Werk nicht zu unterschlagen, aber sein Fazit ist eindeutig: Dieses Buch ist nicht lesbar. Der Grund dafür liege darin, dass die Autorin sich in dem verfange, was sie sich vorgenommen habe. Thema des Buches sind auf verschiedenen Ebenen Labyrinthe - mit dem Ergebnis, dass der Leser seinen Weg nicht mehr finden könne. Man müsse sich mit dem Mythos des Minotauros, den Theorien des Surrealismus und der "Idee von der labyrinthischen Natur der Literatur selbst" auskennen, um den Text zu verstehen. Ob dies allein reiche, um den vielen ineinander verschachtelten inhaltlichen Ebenen folgen zu können, sei indes dahingestellt. Otte bemerkt durchaus, dass einiges in diesem Buch "sehr kunstvoll und sehr raffiniert" ist. "Aber es ist viel zu viel." Und dies, in Verbindung mit dem "dozierenden", "besserwisserischen" Tonfall der Autorin, scheint wiederum zu viel für den Rezensenten. Und damit auch für den Leser.

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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.10.2001

Andrea Köhler ist begeistert. Von Anfang an war sie begeistert, gesteht sie, von den Büchern dieser Autorin, Jahrgang 52, die fernab vom deutschen Literaturbetrieb in Paris lebt. Wo auch ihre Büchern spielen. Und wo auch das neue angesiedelt ist, genauer gesagt in einer Straße oder vielmehr einer Welt für sich, in der Cité des Platanes im Pariser Montmartre. Köhlers Lektüreeindrücke sind schwer zusammenzufassen: Gruenter erzähle die griechische Sage des Minotaurus, verlege aber den Ort der Handlung in ein ebenso reales Paris von heute wie imaginäres Labyrinth aus literarischen Anspielungen, Figuren, Texteinsprengseln, die die ganze Geschichte in eine zugleich hochartifizielle wie schwarze Humoreske verwandeln. Uff. In jedem Fall preist Köhler die Kombination von "existenziellem Ernst und anarchistischer Heiterkeit" bei Gruenter.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.09.2001

Große Erwartungen an dieses schmale Buch hatte Rezensent Richard Kämmerlings. Denn Undine Gruenters 1995 erschienenes Tagebuch "Handwerk des Lebens" bezeichnet er als einen der "größten noch ungehobenen Schätze, den die deutsche Literatur im letzten Jahrzehnt" hervorgebracht habe. Sehr zu Kämmerlings Leidwesen kommt aber der Handlung in dieser "Reinszenierung des Mythos als Farce" nur eine Nebenrolle zu. Schauplatz, erfahren wir, sei ein gewaltiger Gebäudekomplex am Fuß des Montmartre, ein steinernes Labyrinth. Für Kämmerlings wird es aber auch zum "Papieruniversum", an dem er keine rechte Freude findet. So wie die Handlung nie "das steinerne Geviert" verlasse, sei auch das Leben jenseits der Texte nicht erreichbar, die nicht nur die Autorin produziert, sondern auch viele der Figuren im Roman. Dabei könne Gruenther scharf beobachten, seufzt der Rezensent, dem aber bei der Schilderung einer besonders eindringlichen Passage des Buches erst recht die "Anämie der Konstruktion" aufgefallen ist. Zwischen "folgenlosem Sprachspiel" und "quälender Selbstanalyse" habe die Autorin wohl die Orientierung verloren.

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