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Jean-Baptiste Botul
Das sexuelle Leben des Immanuel Kant
Klappentext
Herausgegeben und aus dem Französischen übersetzt von Dieter Redlich und Angelika Rüther. Immanuel Kant gilt als Prototyp des knochentrockenen Philosophen, dessen mönchische Lebensweise schon seine Zeitgenossen erheiterte. Nichtsdestoweniger - Mitte unseres Jahrhunderts emigriert eine Gemeinde glühender Kant-Anhänger aus Königsberg nach Paraguay, um dort ungestört als wahrer Kantianer zu leben. Nur - das strenge Kopieren der keuschen, schrulligen Lebensweise des Meisters gefährdet den biologischen Fortbestand der Kolonie; es droht das natürliche Ende von Neu-Königsberg. Abhilfe verschafft der Kant-Kenner Jean-Baptiste Botul (1896-1945), der die bislang verborgen gebliebenen erotischen und libidinösen Züge im Werk Immanuel Kants offen legt. Diese Darstellung über Sittlichkeit und Sinnlichkeit, Erhabenheit und Sexualität fördern einige exemplarische Merkwürdigkeiten über das Verhältnis von Philosophie und Praxis zutage.
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 15.11.2001
Michael Wetzel zeigt sich sehr angetan von Jean-Baptiste Botuls geistreicher Erkundung des sexuellen Lebens des Königsberger Meisterphilosophen: "Dieser Botul ist ein Schelm, der es faustdick hinter den Ohren hat." Wie unser Rezensent allerdings bemängelt, wartet das Bändchen leider mit einem "überflüssigem Nachwort" und einer "merkwürdig flapsigen" deutschen Übersetzung auf, die Botuls "grandiosem Feuerwerk französischer Rhetorik" nicht wirklich gerecht werde. Inhaltlich zeigt sich Wetzel durchweg fasziniert von der Weise, wie Botul Kants Werk auf seine "sexuelle Metaphorik" hin untersucht, Kants abstrakte Gedankengänge "in suggestive Sprachbilder" auflöst und schließlich den pathologischen Kern der sexuellen Askese Kants freilegt. Wetzel sieht den bereits 1947 verstorbenen, weithin unbekannten Botul dabei als Vorläufer französischer Denker wie Levi-Strauss, Devereux und Lacan und bescheinigt ihm umfassende Kenntnisse der Psychoanalyse. Botuls Interpretationen erscheinen Wetzel insgesamt als ein gelungenes "faszinierendes Beispiel für einen dekonstruktiven Einsatz psycho- und kulturanalytischer Relektüren der Philosophie".
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.09.2001
Die Ununterscheidbarkeit von Ernst und Unernst hat in der Pataphysik - der "Wissenschaft von jenem Bereich, der sich jenseits der Metaphysik erstreckt" - seit ihrer Erfindung durch Alfred Jarry Methode. Unernst, weil schlicht erfunden, dürften in dieser Monografie zum Geschlechtsleben Kants zum einen der Philosoph Botul und seine Biografie sein sowie der Umstand, dass er seine Thesen 1946 vor einer Kant-Gemeinde in Uruguay vorgetragen haben soll. Durchaus Ernst zu nehmen, findet jedenfalls der Rezensent Manfred Geier, sind die Materialien, die der Herausgeber Frédéric Pagès zusammengetragen und "geistreich kommentiert" hat. Alles in allem ergibt sich daraus, so Geier, "ein intelligenter philosophiegeschichtlicher Fake" - der in der deutschen Ausgabe den Nachteil hat, dass ihn die deutschen Herausgeber um ein Nachwort bereichert haben, das, in den Worten des Rezensenten, "nur hingewichst" ist.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.09.2001
Natürlich gab es das dem Vernehmen nach gerade nicht: ein sexuelles Leben des Philosophen Kant. Darin liegt ein Problem, wenigstens für die nach Paraguay ausgesiedelte deutsche Kolonie Neu-Königsberg, die einerseits Kant-gläubig war, andererseits am eigenen Fortleben interessiert. Hier hielt Jean-Baptiste Botul (falls das Ganze, wie der Rezensent anzudeuten scheint, nicht eine seltsame Fiktion ist) 1945 seine Vorträge und destilliert aus ihnen, wenig ermutigend für die Neu-Königsberger, eine Theorie der Sterilität. Das hieße also: So einfach lässt sich aus Kants Philosophie kein "Lebensprogramm" machen. Und vielleicht erklärt sich dadurch auch, warum man seitdem so wenig von Neu-Königsberg gehört hat.
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