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zuletzt aktualisiert 11.02.2012, 21.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Steffen Radlmaier

Der Nürnberger Lernprozess

Von Kriegsverbrechern und Starreportern

Cover: Der Nürnberger Lernprozess

Die Andere Bibliothek/Eichborn, Frankfurt am Main 2001
ISBN-10 3821845031
ISBN-13 9783821845036
Gebunden, 372 Seiten, 29,65 EUR

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Klappentext

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs schrieb das Nürnberger Tribunal ein neues Kapitel in der Geschichte des Völkerrechts. Wenige erinnern sich heute noch daran, wie es dabei zuging. Der Prozess gegen die Nazi-Größen war ein Medienereignis erster Ordnung. Scharen von Reportern brachen 1945/46 in die zertrümmerte Stadt ein, unter ihnen Willy Brandt, der für die skandinavische Presse schrieb, und der Amerikaner William Shirer. Selbst China hatte einen Berichterstatter entsandt. Aber vor allem waren Schriftsteller aus der ganzen Welt angereist: Ernest Hemingway und Erika Mann, Ilja Ehrenburg und Louis Aragon, John Steinbeck, Erich Kästner, Konstantin Fedin, Robert Jungk, Martha Gellhorn, Victoria Ocampo, Peter de Mendelssohn, Rebecca West, John dos Passos ... Eine glänzende Liste, die sich fortsetzen ließe. Die Berichte dieser Autoren sind seither in Vergessenheit geraten. Steffen Radlmaiers Recherche zeigt, dass sie mehr als alle Prozessakten über die Atmosphäre und die Wechselfälle des Prozesses sagen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.02.2002

Rezensent Gerhardt Neumaier, Historiker und Archivar an der Uni Freiburg, hält viel von diesen gesammelten Augenzeugenberichten von 33 Journalisten und Schriftstellern zum ersten Nürnberger Kriegsverbrecherprozess. Er führt einige Beiträge auf und erläutert zum Beispiel, dass Erika Mann sich mit einer Dokumentarfilmvorführung befasst, W.E. Süskind die Sprache der Angeklagten untersucht, dass auch die Stadt Nürnberg beleuchtet wird und dass Alfred Döblin "die Rolle und Herkunft der Ankläger" untersucht, während Martha Gellhorn Deutsche über ihre Ansichten zu dem Prozess interviewt. Für Neumaier ist diese Dokumentation eine "historische Quelle sui generis".

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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 22.11.2001

Welche Bedeutung haben internationale Prozesse? Um diese und andere Fragen geht es in der Anthologie "Nürnberger Lernprozess", die Rezensent Joachim Oltmann als "Quelle eigener Art" bezeichnet. In diesem Band hat der Autor, der Redakteur der "Nürnberger Nachrichten" ist, Augenzeugenberichte über den Nürnberger Prozess zusammengetragen, berichtet Oltmann. Dabei kommen verschiedene Sichtweisen zum Vorschein, schreibt er: Als "Hochburg der Langeweile" etwa hätten "Vertreter der Weltöffentlichkeit" den Prozess empfunden. Andere Beobachter äußerten sich zornig, so Oltmann. Und für die deutsche Bevölkerung habe das Tribunal zur "endgültigen Entzauberung" der NS-Oberen geführt. Bemerkenswert findet der Rezensent auch, dass einige Berichte "ohne Gefühle" geschrieben seien, was er auf die abstrakte Zahl von Millionen von Toten zurückführt. Fazit des Rezensenten: Dieses Buch schärft die Aufmerksamkeit für zukünftige Prozesse, etwa in Den Haag.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 08.10.2001

An die 250 Journalisten und Schriftsteller berichteten über die Nürnberger Prozesse, darunter nur wenige Deutsche und Russen, schreibt Horst Meier. Ihre Berichte, die damals von den Lesern verschlungen wurden, gerieten nach den Prozessen in Vergessenheit. Die Nürnberger Prozesse wurden historisch und juristisch hinlänglich untersucht, meint der Rezensent. Das von Steffen Radlmeier herausgegebene Lesebuch führt eine ganz andere Sicht auf die Prozesse vor Augen, denkt der Rezensent. Hier geht es um die Begleitumstände des Prozesses, um die Reportagen "drumherum", um das Leben der Deutschen in den Trümmern, um die vielen Sekretärinnen, Übersetzer, Richter und Anwälte - Nahaufnahmen, Impressionen und Anekdoten, die in dieser Vielfalt und Dichte bisher nirgends zu lesen waren, schreibt Meier beeindruckt. Die Texte über die Angeklagten selbst findet der Rezensent dagegen eher ermüdend und unaufregend. Er bedauert auch, dass der Herausgeber manches Prominentenskript - etwa eins von Willy Brandt und eins von Markus Wolf - in die Sammlung aufgenommen hat, die nicht einmal einen dokumentarischer Wert besitzen. Auch sollte sich der Leser nicht vom Klappentext täuschen lassen, dass hier Berichte von John Steinbeck, Louis Aragon und Ernest Hemingway zu lesen wären. Sind sie nämlich nicht, warnt Meier, betont jedoch, dass diese kleinen Mängel den Wert des Buchs für den Leser nicht schmälern.

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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 29.08.2001

Der Feuilletonchef der "Nürnberger Nachrichten" Steffen Radlmaier hat ein interessantes Buch zusammengestellt, findet Christoph Jahr: eine Auswahl der interessantesten Reportagen über den Nürnberger Kriegsverbrecherprozess aus den Jahren 1945 und 1946. Vierhundert Reporter aus 20 Nationen, darunter Erika Mann, John Steinbeck, Ernest Hemingway, Erich Kästner, Peter de Mendelssohn, nahmen an den Prozessen teil und berichteten. Laut Jahr sind die vorliegenden Texte "keine angenehme Lektüre, aber eine sehr lohnende, nicht trotz, sondern wegen all der Irrtümer, Fehler und Beschränkungen der zeitgenössischen Perspektive der Beobachter". Der Nürnberger Prozess stelle einen Präzedenzfall dar, ohne den der Prozess in Den Haag gegen Slobodan Milosevic nicht denkbar wäre.

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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 07.08.2001

Renée Zucker kommt regelrecht ins Schwärmen bei diesem Buch, das ein ganz und gar unschönes Thema hat: die Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse. Warum ist vorher noch niemand auf die Idee gekommen, all die parallel zum Prozess entstandenen Glossen, Berichte, Reportagen zu sammeln und zu veröffentlichen, fragt sich Zucker. Namhafte Autoren waren vertreten: Janet Flanner, Don Dos Passos, Alfred Döblin, Erika Mann, Gregor von Rizzori, Ilja Ehrenburg, Erich Kästner, aber auch hierzulande unbekannte russische oder polnische Schriftsteller. Die einen mokierten sich über Nürnberg ("wie ein zermatschtes Gehirn", hätte Elsa Violet geschrieben, während ein chinesischer Schriftsteller es Peking ähnlich fand), andere schimpften über den Zustand der amerikanischen Armee, witzelten über Weihnachtsbäume, schwärmten von Dolmetscherinnen oder wunderten sich über die wie "Wracks" wirkenden Angeklagten - ein Sammelsurium von klugen Beobachtungen und gehässigen Bemerkungen, die Zucker das Buch zur sofortigen Lektüre empfehlen lassen.

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