Das Buch erörtert die Grundfrage des historischen Denkens nach dem Sinn der Geschichte. Die Wissenschaft kann diesen Sinn nicht hinreichend verbürgen, sondern setzt ihn voraus. Die Sinnfrage betrifft die Geschichtskultur im Ganzen. Ihre Voraussetzungen, Leistungen, Möglichkeiten und Grenzen werden daher kritisch in den Blick genommen. Es geht um elementare und fundamentale Aspekte des Geschichtsbewusstseins, um historisches Erzählen und um Grundfragen einer Ästhetik des Historischen. Vor allem aber - und damit betritt das Buch das Niemandsland der Geschichtstheorie - geht es um die historischen Sinnlosigkeitserfahrungen des 20. Jahrhunderts und ihre geistige Verarbeitung in geschichtlichen Deutungen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 03.11.2001
Der mit "uha" zeichnende Rezensent wirkt nicht gerade restlos begeistert von dieser Aufsatzsammlung Jörn Rüsens. Die Forderung nach einer Geschichtswissenschaft, die auch die Bedeutung der "Trauerarbeit" in den Umgang mit den Katastrophen des 20. Jahrhunderts mit einbeziehen soll, scheint ihm zwar verständlich, doch bemängelt er, dass diese Gedanken teilweise "mehr um sich selbst als um den Gegenstand zu kreisen" scheinen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.08.2001
Was hier auf 357 langen Seiten über die Dialektik von Geschichtsschreibung und Lebenspraxis ausgebreitet wird, meint der Rezensent, hat Nietzsche in einem Satz gesagt. Ja, Nietzsche. Wenn der Autor aber nun mal sterblich ist und Jörn Rüsen heißt? Dann gibt es eben einiges auszusetzen, nicht nur an der Länge. Tim B. Müller nimmt da kein Blatt vor den Mund: professorale Syntax, aufgeblähte Terminologie, dazu jede Menge Gemeinplätze. Nichts in diesem Buch sei neu, alles habe man von anderen bereits systematischer und prägnanter gehört. Nicht mal die Namen seiner Vorbeter nenne der Autor. Pfui, wie gemein. Damit ist das Buch eigentlich erledigt. Dass Müller sich trotzdem die Zeit nimmt, es Stück für Stück durchzugehen, ist wirklich zu freundlich.
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