Alexander Cartellieri gehörte zu den wenigen deutschen "Frankreich-Historikern" der ausgehenden wilhelminischen Epoche. Geprägt durch seine Pariser Kindheit fand er in Philipp II. August, der Französischen Revolution sowie den deutsch-französischen Beziehungen Themen, die ihn über lange Jahre beschäftigten. Beeinflußt von Rankes Idee der "germanisch-romanischen Kultureinheit" ist jedoch auf Cartellieris betont nationale Gesinnung hinzuweisen. Die Arbeit sucht nach Niederschlägen dieser Konstellation in Leben und Werk des Jenaer Historikers. Vor allem im Spiegel seiner von 1878 bis 1954 akribisch geführten Tagebücher erscheint Cartellieri als Repräsentant einer exklusiven sozialen Gruppe, als Wilhelminer oder Mandarin, als Bildungsaristokrat, der sich dem Verlust seiner Exklusivität letztlich vergeblich entgegenstemmte, dabei aber als Wissenschaftler und Hochschullehrer Beachtliches leistete.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.07.2001
Hans-Christof Kraus berichtet recht spannend vom Zufallsfund einer nachgelassenen Privatbibliothek eines Gelehrten, der dann zur Entstehung dieser Habilitationsschrift führte. Sie rekapituliert die Lebensgeschichte des Historikers Alexander Cartellieri: der gebürtige Weißrusse, in Paris aufgewachsen, lehrte ab 1902 in Jena. Kraus charakterisiert den Frankreich-Spezialisten als national und konservativ gesinnt, was ihn nicht davon abhielt, beispielsweise die "Annales d'histoire économie et sociale" für die Jensenser Bibliothek zu abonnieren. Cartellieri hat, berichtet Kraus, Distanz gehalten zur Weimarer Republik wie zu den Nationalsozialisten und zeigte sich auch vom neu installierten Regime nach 1945 unbeeindruckt. Um nicht zu hungern, musste er seine Privatbibliothek verkaufen, wurde aber nach seinem Tod 1955 als "großer Historiker der DDR" reklamiert. Für Kraus kommt diese "problemorientierte Historikerbiografie", die sich auf minutiöse Tagebücher aus sechs Jahrzehnten stützt, gerade zur rechten Zeit - die Aufarbeitung der Geschichte der Historiker hat begonnen.
Heike Geißler: Michaela Kohlhaas "Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder." So erzählt es Heinrich von Kleist in seiner gleichnamigen Novelle über den Pferdehändler Michael Kohlhaas, der nach erlittenem… Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Petra Morsbach: Orion Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen… Florian Illies: Träume aus Feuer Tauchen wir ein in die großen Träume eines großen Mannes: Johannes Kunckel ist ein Magier und Alchemist, der daran glaubt, Gold zaubern zu können. Der brandenburgische Kurfürst…