Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Mit 180 s/w Abbildungen. Der Bild-Anthropologie geht es darum, das Bild/Artefakt als kulturelles Modell zu untersuchen, das im sozialen Raum Weltwahrnehmung ebenso wie Selbstwahrnehmung programmiert. Der Bildbegriff, der hier zur Sprache kommt, ist aus dem Wechselverhältnis zwischen mentalen und physischen Bildern entwickelt. Er ist ebenso auf die Trägermedien bezogen, in welchen sich die Bilder verkörpern und dabei die Körpererfahrung der zeitgenössischen Betrachter steuern. In diesem Sinne ist jede Bildgeschichte nur die andere Seite einer Kulturgeschichte des Körpers.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.09.2001
Noch vielfältiger als von Hans Belting bereits bekannt, weiß Andreas Strobl, stellt der seit 1993 an der Karlsruher Hochschule für Gestaltung lehrende Kunsthistoriker mit diesem Buch die eigene Disziplin auf den Kopf: Der Wissenschaftler will die Kunstwissenschaft erneuern, "Bild-Anthropologie" - eine Zusammenstellung von Vorträgen und Essays des Autors - ist dafür ein erster Schritt. Mit profundem Sach- und Faktenwissen, so der Rezensent, führe Belting dem Leser das ganze Spektrum seines Wissens vor Augen, über prähistorische Totenkulte, Benutzeroberflächen von Computern, religiöse Bilder, Kunstwerke, Bilder der Nachrichtenmagazine und der Werbung. Strobl bedauert aber, dass Überschneidungen und Wiederholungen in den einzelnen Texten deutlich werden und Beltings Argumente für eine Kunstwissenschaft als human science manchmal etwas unverbunden nebeneinander stehen. Der Rezensent findet die Methode Beltings äußerst mutig, denn dieser wage den Spagat zwischen konkreten Fallanalysen und übergreifenden Synthesen. Einem detailbeflissenen Fachpublikum, mutmaßt Strobl, wird das nicht gefallen, für eine fortschrittliche Kunstwissenschaft aber, denkt der Rezensent, ist das Buch ein Muss.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.07.2001
Willibald Sauerländer behandelt diesen jüngsten Band in Hans Beltings großem Projekt der Umorientierung der Kunstgeschichte zu einer entgrenzten Bildwissenschaft ausführlich, ernsthaft und in Auseinandersetzung mit den zentralen Fragen des Gesamtprojekts. Er stellt den Werdegang Beltings vor, seine Entwicklung vom Byzantinisten zum Fürsprecher einer nun endgültig ins Allgemeine ausgreifenden Anthropologie des Bildes. Die "waghalsige" Entgrenzung beziehe zunächst die neuen Medien ebenso wie die Frühgeschichte und außereuropäische Kulturen in die Betrachtung mit ein, es gehe um die "diachronen Strukturen des Bildes". Das Buch besteht aus sieben Essays, die "nur lose" zusammenhängen, es kommt, gelegentlich, so Sauerländer, zur "Mystifikation von Trivialitäten", das findet er angesichts der "erstaunlichen Neugier", mit der sich Belting für die interdisziplinäre Forschung interessiert, schade. Einen grundsätzlicheren Einwand jedoch hat der Rezensent gegen den Zugriff des Gesamtprojekts: Belting unterschätze ganz systematisch den historischen Schritt zu einer nicht mehr hintergehbaren Selbstreflexivität der Kunst spätestens mit der Renaissance. Sauerländer unterstellt gar, dass sich Belting - ausweislich des anthropologischen Herangehens - "zur alten Ontologie des Bildes" zurückwünscht. Letztlich spricht daraus, so der Rezensent, der "Zweifel an der Moderne". Sein Gegenvorschlag: keine "ontologisierende Bild-Anthropologie, sondern eine historische Bild-Kritik".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 09.06.2001
Als begrüßenswerten Beitrag zur aktuellen Debatte um interdisziplinäre Bild-Wissenschaften sieht der Rezensent Rüdiger Zill diesen Band. Er betont, dass Belting, obwohl Kunsthistoriker, auf den kontextuellen Bezügen des Bildes besteht: er sieht sie "im Spannungsfeld von Körpern und Medien." Historisch greife Belting weit aus und methodisch versuche er, über bloße semiotische Bildbeschreibung hinauszugehen. Über die Körperlichkeit des Bildes wie des Betrachters kommen soziale und mediale Bezüge in den Blick. Rüdiger Zill findet das Buch wichtig und schätzt, wie es scheint, auch die vom Autor selbst konstatierte Vorläufigkeit des Ansatzes, die essayistische Herangehensweise. "Wichtig", so Zill, ist es als Debattenbeitrag, dem weitere folgen sollten.
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