Lily Brett

Zu viele Männer

Roman
Cover: Zu viele Männer
Deuticke Verlag, Wien 2001
ISBN 9783216305084
Gebunden, 655 Seiten, 25,51 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Melanie Walz. Ruth Rothwax, Inhaberin einer New Yorker Agentur, die Korrespondenz für alle Lebenslagen erledigt, ist mit ihrem Vater Edek in Polen unterwegs, um nach jener Welt zu suchen, in der ihre Familie vor dem Holocaust gelebt hat.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.06.2001

Die Besprechung von Ingeborg Harms vermittelt ein recht genaues Bild dieses in Polen spielenden Romans, mit dem die Autorin "ihrem Lebensthema, der Trauerarbeit eines Kindes von Holocaust-Opfern" nachgeht. Harms folgt den Stationen einer "Gedächtnisfahrt" der Protagonistin ins Traumatische, einem "lebhaften und fesselnden Bericht über die schrittweise Konfrontation mit den schwarzen Löchern im Gedächtnis der Familie". Sie staunt über die Furchtlosigkeit der jüdischen Autorin im Umgang mit dem Holocaust, wie diese ihr Buch vor "dem Absturz ins Sentimentale" zu retten versteht und mit dramaturgischem Geschick Befreiendes und Beklemmendes kombiniert. Am Ende ein "an Aufschlüssen reicher analytischer Roman".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.05.2001

Marta Kijowska wirkt nach der Lektüre verärgert. Sie findet den Roman, in dem Tochter und Vater aus New York eine Reise nach Polen machen, aus dem der Vater als Jude vertrieben worden war, "merkwürdig unentschlossen". Es sei deutlich zu merken, dass die Autorin die polnischen Orte nicht kenne, denn sie wirkten "seltsam konturlos", kritisiert die Rezensentin. Außerdem scheinen ihr die Versuche Lily Bretts, die Vergangenheit mit der Gegenwart schlüssig zu verbinden, allzu "bemüht", besonders der zweifelhafte Einfall, die Protagonistin mit einem imaginierten Rudolf Höß plaudern zu lassen, moniert sie als misslungen. Für Kijowska passt das einfach nicht mit dem Rest des Romanhergangs zusammen, genauso wie sie schon den Titel völlig verfehlt findet. Besonders ärgert sie sich aber über die endlos wiederholten "antipolnischen Ressentiments". Die Rezensentin gesteht, das Buch zunehmend "lustloser" gelesen zu haben und sieht sich auch nicht durch die "dünne Pointe" am Schluss für die wenig erfreuliche Lektüre entschädigt.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 19.04.2001

Für Andreas Nentwich handelt es sich hierbei nicht nur um ein völlig überflüssiges Buch, sondern gar um eine "Entgleisung". Dies liegt vor allem daran, dass die Autorin seiner Ansicht nach Klischees und "Juden-Stereotype auf die Polen" überträgt und damit zu einer Fortpflanzung des Hasses beiträgt, ohne darüber ausreichend zu reflektieren. Den Hass selbst findet Nentwich zwar bisweilen verständlich, zumal ein "virulenter Antisemitismus" in Polen ja durchaus vorhanden sei. Doch dass Brett - wenn auch mit der Stimme ihrer Protagonistin - die Polen als "frömmelnde und judenfeindliche" Alkoholiker beschreibt, die ungewaschen, verschlagen und unfähig seien und die man 'schon vor Jahren hätte erschießen sollen' - das geht dem Rezensenten eindeutig zu weit. Zwar erschrickt die Protagonistin, so Nentwich, bisweilen selbst über ihre harte Sichtweise. Doch das reicht dem Rezensenten nicht aus, das "Zerrbild" aufzulösen. Und auch wenn diese verbitterte Perspektive aufgrund der Lebensgeschichte Bretts bis zu einem gewissen Grad verständlich sei, so hätte er von einer Schriftstellerin doch mehr Professionalität erwartet.
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