Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Klasse Burschen, die Österreicher. Fröhlich verkünden sie den Glauben an das Gute in der Welt und zeigen stolz ihre Berge, Burgen und Barockkirchen her. Ein verantwortlicher Umgang mit seiner Geschichte aber fällt dem Land schwer. "Obszöner hat ein Land in Zeiten des Friedens noch nicht ausgesehen. "Zu dieser Überzeugung gelangt Josef Haslinger in seinen neuen Essays, in denen er die gesellschaftliche und politische Lage Österreichs analysiert.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.08.2001
Christiane Zintzen sieht im neuen Buch von Josef Haslinger eine gelungene Fortführung seiner politischen Essayistik aus den 80er Jahren. Damals hätte der Autor die zunehmende Ästhetisierung der Politik und ihre Folgen bereits vorausgedacht. Nun greife er unter ähnlicher Perspektive die wichtigsten gesellschaftspolitischen Entwicklungen der letzten zehn Jahre in Österreich wieder auf. Dabei beweise er Genauigkeit in der Argumentationsführung und in der Darstellung historischer Konstellationen. Die Rezensentin sieht darin eine bewusste rhetorische wie politische Entscheidung, die - zuweilen auch auf Kosten stilistischer Eleganz - "Szenarien und Strukturen" beschreibend benenne. Haslingers geschichtsbewusster Blick auf aktuelle Phänomene sowie seine schrille Töne meidende Bedachtsamkeit unterwerfen sich somit in ihrer Redeweise nicht dem üblichen österreichischen "Karl-Krausianismus", lobt Zintzen. Allerdings hätte sie dem Band eine "Überarbeitung" gewünscht, denn die ehemals verstreut publizierten Aufsätze zeigten zusammengestellt so manches Stereotyp. Außerdem vermisst sie eine Chronologie oder einen Kommentar, die dem mit österreichischen Verhältnissen nicht so vertrauten Leser die jeweiligen Zusammenhänge näher erläuterten.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.04.2001
Eva Menasse zeigt sich verärgert über diese Essays, besonders deswegen, weil der Autor seine an sich lobenswerten moralischen Ansichten "so naiv, so achtlos, so angreifbar präsentiert", dass sie für Gegner eine willkommene Angriffsfläche bieten. Inhaltlich bieten diese Essays ihrer Ansicht nach zu wenig. Über 'Haider-Wähler' erfahre man - trotz der Kapitelüberschrift - praktisch gar nichts, und im Kapitel "Phänomen Haider" finden sich lediglich Haslingers Rezension zu Haider-Büchern, beschwert sich Menasse. Das Kapitel über politisches Engagement von Schriftstellern bietet, so die Rezensentin, ebenfalls fast nichts, wenn man von der Aussage Haslingers absähe, er selbst könne gar nicht anders als auf politische und soziale Ereignisse einzugehen. Wirklich böse wird Menasse über Haslingers Kritik an der Veranstaltung zum 55. Jahrestag zur Befreiuung des Konzentrationslagers Mauthausen - weil dort Beethovens "Ode an die Freude" gespielt worden war. Menasse weist darauf hin, dass die Feierlichkeit von ehemaligen Häftlingen organisiert worden ist: "Wer will ihnen vorschreiben, wie man den Jahrestag ihrer eigenen Befreiuung angemessen zu feiern hat?", fragt eine spürbar genervte Rezensentin.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 21.03.2001
Österreich hat mehr Intellektuelle aufzubieten, die auch tatsächlich etwas zu sagen haben, als die Bundesrepublik, meint Uwe Schütte. Das liegt seiner Ansicht nach unter anderem an Jörg Haider, den Haslinger in seinem vierten Essayband weniger als Person denn als Phänomen ergründet, das der Autor bis zum Bürgerkrieg von 1934 zurückverfolgt. Besonders gefällt Schütte die Kontrastierung des politischen Geschehens in Österreich durch Beobachtung des Auslands: da schaut einer über den Tellerrand, lobt Schütte, und begegnet z. B. einem anderen Rechtspopulisten, nämlich George Bush im Wahlkampf; oder Haslinger grüble über die Europäische Gemeinschaft nach, die er für eine hehre kulturelle Idee und ein pragmatisches Zweckbündnis zur Wahrung ökonomischer und sicherheitspolitischer Interessen halte. Der Band versammelt Texte aus den letzten acht Jahren, die Schütte allesamt spannender findet als den zuletzt von Haslinger vorgelegten Roman.
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