Bücherschau der Woche
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Klappentext
Ein Geldtransporter ist verschwunden, den Detektiv Mühler finden soll. Auf seiner Odyssee durch die Stadt tappt er im dunkeln. In einem Hallenbad, im Schein des Mondes, glaubt er sich am Ziel. Georg Klein legt mit Barbar Rosa eine romantische Detektivgeschichte vor.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.05.2001
Den Plot scheint Andreas Nentwich etwas mickrig zu finden. Aber wenn der "gelehrte Synkretist" Klein erst so richtig in die Tastatur greift und in der Kulisse eines Berlins "von Orwellscher Düsternis und Irrealität ... eine janus-gesichtige Welt" als postmoderner Reflex auf den klassischen Bildungsroman entstehen lässt. Wenn er das Ganze dann vor allem - und Gott sei Dank, meint da der Nentwich - mit dem Kalkül des Parodisten und mittels "behaglich- affirmativer Phrasen" und eingestreuter Diminutive" aus der Höhe tödlichen Ernstes in eine "unheroische Kleinweltperspektive" rückt. Ja, wenn es sich so verhält, dann ist auch Nentwich von den Socken.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 22.03.2001
Nicht den erwarteten Berlin-Roman hat Klein vorgelegt, schreibt Katharina Döbler, sondern einen Detektivroman, einen Männerroman einen romantischen Finsternisroman, und, wenn man so will, einen Hauptstadtroman, erklärt die Rezensentin. Der Held Mühler sei "eine eigentlich untaugliche Besetzung für einen Agenten", das Buch, aus seiner Perspektive geschrieben, bediene sich einer "Kunstsprache", die immer wieder in die Vergangenheit führe und deutlich mache, wie wichtig diese für die Gegenwart sei. Klein verwendet Versatzstücke des Krimis und des Comics und bedient sich "mit Vergnügen" aus dem Fundus der Literaturgeschichte, erklärt Döbler. Schwarze Romantik finde sich an allen Ecken dieses Romans, und Ecken, so versichert die Rezensentin, habe dieses Buch viele. Wiedererkennungseffekte aus einem bekannt erscheinenden Berlin würden sofort wieder zerstört, der vermeintliche Berlin-Roman löse sich auf im Bewusstseinsstrom. Der ganze Roman ist ein "psychedelische Gewebe", urteilt die Rezensentin. Und inwiefern ist er ein Männerroman? Vielleicht, weil hier ein Mann mit "grotesken Macken" geschildert wird, der "beim Brummen eines Fernsehers" eine Erektion bekommt? Kleins Grenzüberschreitungen seien genau kalkuliert: "das Risiko des eines literarischen Selbstversuchs mit den Elixieren des Teufels. Niemand schreibt derzeit Vergleichbares", resümiert Döbler.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.03.2001
Vorschusslorbeeren für "Barbar Rosa" hat Georg Klein schon im letzten Jahr mit der Verleihung des Ingeborg-Bachmann-Preises für einen bloßen Auszug der Detektivgeschichte erhalten, informiert Verena Auffermann. Ganz zu recht, denkt die Rezensentin, deren Kritik durchweg mehr als positiv ausgefallen ist. Fern, reich und melodisch aufgeladen findet sie die Sprache des 1953 in Augsburg geborenen Autors, der es außerdem auch noch nach ihrer Ansicht bravourös versteht, ein Milieu gleichzeitig märchenhaft-fantastisch und würgend-widerwärtig literarisch abzubilden. Auffermann hält "Barbar Rosa" für ein verführerisches Sprachkunstwerk und glaubt, dass die Geschichte abgesehen von allen sowieso-schon-Georg-Klein-Fans zur Bibel für nervenstarke, persönlich anspruchs- und bindungslose Freiberufler werden könnte. Die Rezensentin vergleicht ihre Faszination für "Barbar Rosa" mit einem Taumel, gleich "einer Fahrt in ein verführerisches, sprachlich ausgesteuertes Gruselkabinett" - abgesehen von ein paar Ermüdungserscheinungen und Überdrehungen hielt für Auffermann diese Fahrt von der ersten bis zur letzten Zeile an.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 21.03.2001
In Wahrheit handele es sich um eine "Dekonstruktion der klassischen Detektivgeschichte", behauptet Michael Braun über "Barbar Rosa", die eben ein solches kriminalistisches Ansinnen von sich im Untertitel behauptet. Die dekonstruktivistische Vorgehensweise wiederum hört sich bei Braun recht lustig an: Der Detektiv und Protagonist dieser in einer völlig auf den Hund gekommenen Hauptstadt spielenden Geschichte ist der einzige, der nicht eingeweiht ist in die Machenschaften seines Falls. Eigentlich aber, so Braun, ist dem Autor mit "Barbar Rosa" die virtuose Anknüpfung an die Ästhetik der schwarzen Romantik gelungen, wobei in diesem Fall die Kyffhäuser-Sage vom Kaiser Barbarossa neue Deutung und Verwandlung erfahre. Klein schwelge im Hässlichen, Morbiden, Verwesenden, schreibt Braun, und seine Figuren scheinen dem Kabinett der dekadenten Literatur entwichen zu sein - gleichzeitig aber wirkten sie wie "einsame Irrläufer" einer beklemmenden Gegenwart, die der Autor in die nahe Zukunft kolportiert habe.
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