Ausgerechnet um 1900 erlebt der Versuch, die verschiedensten Phänomene unter dem Schlüsselwort "Magie" zu bündeln, eine Hochkonjunktur. Das Wort fasst nicht nur die Praktiken des allerorts wuchernden Okkultismus und der schriftlosen Gesellschaften, denen vielbeachtete ethnologische Forschungen gelten. Als "magisch" erscheinen vielmehr auch die neuen technischen Übertragungs- und Speichermedien, die Radioaktivität und die Hypnose. Die Rekonfiguration der "Magie" macht Karriere, weil sie die Versöhnung der gegenstrebigen Tendenzen von technischer Zweckrationalität und mystischer Irrationalität verspricht. Um 1800 vor allem in Frankreich und England entwickelt, erreicht sie in Deutschland ihren Höhepunkt in der Zeit der Weimarer Republik, um im Nationalsozialismus entscheidend transformiert zu werden. Die Literatur partizipiert an dieser Konstellation in doppelter Weise: zum einen, indem sie in magischen Romanen (von Huysmans, Stoker, Meyrink, Thomas Mann u. a.) davon erzählt, zum anderen, indem sie ihr (bei Mallarme, Yeats, Hofmannsthal, Roussel u. a.) eine spezifische Form der poetischen Sprachmagie zu entwinden versucht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.01.2001
So ganz mag Uwe Japp dem Projekt des Autors nicht folgen: Stockhammer, so referiert er, möchte vom Begriff der "phantastischen" Literatur wegkommen und lieber den der "magischen" Literatur einführen. Dass Japp nicht klar macht, worin dieser Unterschied nun eigentlich bestehen soll, scheint sich auch aus terminologischen Unklarheiten des Buchs selbst zu begründen. Japp beklagt mehrfach, dass Stockhammer sehr viele verschiedene Textsorten benutzt: von okkultistischen Theorien, über einschlägige Passagen bei Freud oder Max Weber, bis hin zu Dichtern, die angeblich eine "magische" Hervorbringung ihrer Texte betrieben, wie etwa Mallarmé, oder gar Proust mit seiner "Recherche". Japp betont dabei, dass es sich bei Stockhammers Buch trotz seiner Selbsteinschätzung kaum um eine literaturwissenschaftliche, sondern eher um eine kulturtheoretische Studie handelt. Trotz aller Unklarheit, die auch Japp in seiner Kritik nicht meistert, legt der Rezensent aber Wert auf die Feststellung, dass es "zur Zeit kaum einen einschlägigeren Fachmann als Stockhammer" auf dem Gebiet der Okkultismusgeschichte gebe.
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