Da haben wir sie nun: die deutsche Leitkultur. Elf Essays widmet Joseph von Westphalen dem deutschen Wesen, respektive deutscher Gründlichkeit und deutschem Humor, deutscher Vergangenheitsbewältigung und deutscher Selbstnörgelei, der deutschen Kunst, der deutschen Küche, dem deutschen Wald und dem deutschen Sport. Nicht dass Sie nun denken, er würde uns alles madig machen, aber nein. Sich für das deutsche Wesen kräftig ins Zeug legend, verhilft er uns zu ganz neuen Erkenntnissen. Ein Volk beispielsweise, welches nach den Leitz-Ordnern und den Betreten-verboten-Tafeln nun den Spaghetti-Tester entdeckt, dem es mehr traut als den eigenen Geschmacksnerven, kann so schlecht nicht sein! Nur: wo ist die Kultur, die leiten soll?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.01.2001
Dem Fluch der Copy-and-Paste-Möglichkeiten moderner Textverarbeitung verdankt sich dieser Band, findet Sebastian Domsch, und also ist er seiner Meinung nach über weite Strecken überflüssig, ja "eine Zumutung". Nicht bestritten wird, dass es "einzelne funkelnde Passagen" gibt - sehr wohl dagegen, dass dem Autor insgesamt etwas Neues zum Thema Deutsche eingefallen ist. Es gebe nur die "unvermeidlichen Klischees", noch dazu in mehr als einmal wiederholten Formulierungen. Die Ironie, stellt Domsch fest, ist wohl "zwischen Konzept und Beendigung des Buches" abhanden gekommen - die (ironisch gemeinten?) Aufforderungen des Autors zu einer "Neuauflage des Holocaust" (aber diesmal an den Deutschen) machen den Rezensenten, hat man den Eindruck, eher ratlos. Er kommt zu dem bündigen Schluss: "Nehmt diesem Mann seinen Computer weg!"
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 30.12.2000
Mit einer gehörigen Portion Skepsis und ironischer Distanz betrachtet der Rezensent Eberhard Falcke Joseph von Westphalens Abarbeitung am deutschen Charakter. Die ist jetzt in Form einer Aufsatzsammlung unter dem Titel `So sind wir nicht! Elf deutsche Eiertänze` erschienen. Bei Falckes Kritik geht es um nicht so sehr um die Inhalte, die von Westphalen vertritt und die Themen "von Ausländerfeindlichkeit bis Wehrmachtsausstellung", sondern um die "rhetorischen Schleifen", die der Autor dreht und die dem Rezensenten offensichtlich ein bisschen auf die Nerven fallen. Das überschattet für Falcke die Inhalte, zu denen er sich nur am Rande äußert. Von Westphalen sieht er als "notorischen Abweichler", der mit dem "radikalen Zwiespalt schon immer, auch in schwierigen Fragen, possierlich zu unterhalten wusste".
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