Man schreibt das Jahr 1978 - es ist die Zeit, in der das Lebensgefühl der "swinging sixties" endlich auch in den abgelegensten Provinznestern Einzug hält und dort umso eifrigere Anhänger findet. Man lässt sich die Haare wachsen, hört "Rivers of Babylon" von Boney M. und feiert wilde Partys. Von all dem kann Manni, der Sohn einer resoluten Deutschprofessorin, nur träumen. Er ist fünfzehn, sieht aus wie zwölf und ist obendrein neu in der Stadt und deren höherer Schule. Sein großes Vorbild ist Vincent "Vito" Gross, der Sohn eines reichen Unternehmers. Als Manni seiner Mutter die Fragen zu Vincents Entscheidungsprüfung stiehlt, findet er Aufnahme in dessen eingeschworener Clique. Doch was sich anfangs als die lang ersehnte Freundschaft darstellt, verwandelt sich bald in ein bedrohliches Ringen um Macht, Zuneigung und Anerkennung.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 15.07.2000
Franz Haas findet diesen Debütroman durchaus gelungen und hebt besonders Schwaigers Fähigkeit hervor, den Facettenreichtum jugendlicher Gefühle und Verhaltensweisen einzufangen. Haas verrät, dass der Leser erst im Laufe des Romans erkennt, dass der Protagonist seine Geschichte einem Gendarm während eines Verhörs erzählt, und findet, dass diese geschickte Konstruktion die "Rückerinnerungen und Abschweifungen" des Jungen plausibel macht. Haas gefällt dabei, wie der Protagonist Manni in einer Mischung aus Maulheldentum, Altklugheit, Unterwürfigkeit und Angeberei von den Ereignissen erzählt. Auf der anderen Seite werde deutlich, wie hierarchisch Jugend-Cliquen organisiert ist und mit welchen Mitteln die Kämpfe um Rangfolgen ausgetragen werden. Die Beflissenheit, Eifersucht, Herablassung, das Kriecherische: all diese Nuancen gehören für Haas offensichtlich zu den Stärken des Romans, der sich seiner Ansicht nach dadurch positiv von so manchem Roman über Jugendliche abhebt.
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