Pierre-Andre Taguieff

Die Macht des Vorurteils

Der Rassismus und sein Double
Cover: Die Macht des Vorurteils
Hamburger Edition, Hamburg 2000
ISBN 9783930908622
Gebunden, 613 Seiten, 34,77 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Astrid Geese. Das Erstarken einer Neuen Rechten in Europa erfordert die Überprüfung der Theorie und Praxis eines Antirassismus, der seinen Ausgangs- und Bezugspunkt immer noch im Nazismus hat. Pierre-André Taguieff bezweifelt, dass dieser Antirassismus eine erfolgreiche Strategie gegen rassistische Ideologie sein kann und versucht dies durch eine "Kritik der antirassistischen Vernunft" zu belegen. An die Stelle des Reiz-Reaktions-Schemas, das die Beziehung zwischen Rassismus und Antirassismus kennzeichnet und den Antirassismus hilflos macht, will der französische Sozialphilosoph Grundlagen für reflektiertes Handeln setzen. Handeln aber setzt Wissen voraus: Ohne eine Selbstanalyse des antirassistischen "Lagers" mit seinen Stereotypen und Ritualen und ohne Verständnis der Gründe für die Zählebigkeit des Rassismus in der Gesellschaft wird sich die Rivalitätsbeziehung zwischen den feindlichen Brüdern nicht beenden lassen. Wirksam kann nur ein Konzept für einen nicht-ideologischen Humanismus sein. Um sich ihm anzunähern, unternimmt der Autor einen großangelegten Durchgang durch die im 19. Jahrhundert beginnende Geschichte des Rassismus/Antirassismus in ihren Varianten und Wandlungen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 18.10.2000

Der Studie des französischen Philosophen Pierre-André Taguieff über die Ähnlichkeiten zwischen Rassisten und Antirassisten gibt Micha Brumlik die besten Chancen, zum meistzitierten, aber am wenigsten gelesenen Sachbuch der Saison zu werden. Das in Frankreich schon 1988 erschienene Buch scheine jenen Recht zu geben, die schon immer ein Hühnchen mit der alten Linken, mit Antifa und NGOs zu rupfen hatten. Brumlik überführt die `nicht immer klare und in interessante historische Exkurse mäandernde philosophische Grundlage` selber der Macht des Vorurteils. Taguieffs Studie blende die Praxis des Rassismus weitgehend aus und konzentriere sich auf die Auseinandersetzung mit Richard Rortys `Politik der Differenz` und auf philosophische Definitionen des Begriffs `Antirassismus`. Brumlik nennt das Buch dennoch `lesenswert`, sein Ergebnis, ein republikanischer Universalismus, ausgerichtet an der Kantschen Ethik, ist ihm jedoch zu wenig. Will man diese Studie auf ihren Kern prüfen, so der Rezensent, muss man nur die Frage stellen, `wie viele Tote den Rassisten und wie viele den Antirassisten zuzurechnen sind`.

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