Facebook hat das Internet erobert. Lange als Trivialität belächelt, lässt sich die Relevanz der "sozialen Netzwerke" heute nicht mehr bestreiten. Als Umschlagplatz für soziale Beziehungen aller Art erlangt gerade der Marktführer immer größere ökonomische Macht und politische Bedeutung und nistet sich zusehends tiefer in gesellschaftliche Strukturen ein. In diesem Band kommen internationale Autorinnen und Autoren zu Wort, die erstmals eine umfassende medien- und kulturkritische Perspektive auf Facebook entwickeln. In theoretischen Beiträgen - u.a. von Geert Lovink - sowie perspektivenreichen Kommentaren - u.a. von Saskia Sassen - werden die wichtigsten Facetten des Phänomens untersucht und die Konsequenzen dieser neuen Form von Sozialität analysiert.
Sehr anregend findet Johannes Gernert dieser von Oliver Leistert und Theo Röhle herausgegebenen Band, der Beiträge über Facebook versammelt. Die Autoren des Bandes - Philosophen, Soziologen, Netztheoretiker - liefern für ihn einen instruktiven Beitrag zum Verständnis von Facebook und dessen Auswirkungen auf unsere sozialen Beziehungen. Praktiken der Selbstzerteilung und der evaluativen Selbstbeobachtungen, die das Leben auf Facebook nach sich zieht, werden ebenso analysiert wie die Veränderung der Geständniskultur durch Facebook oder auch die politischen Möglichkeiten des Netzwerks. So sucht der Netztheoretiker Geert Lovink etwa Auswege aus dem System des "Smile or Die" und findet sie in der offenen Persönlichkeit: "Ich bin nicht, der ich bin." Gernerts Fazit: ein perspektivenreicher und erhellender Band.
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