Das Opfer in kultur-, religions- und theologiegeschichtlicher Sicht ist Thema des neuesten Buches des Münsteraner Kirchen- und Liturgiehistorikers Arnold Angenendt. Am Anfang steht Rene Girards Sündenbocktheorie, ein kulturwissenschaftliches Erklärungsmodell für die Entstehung und Überwindung von Opfer und Gewalt. Aber mit der Idee des geistigen Opfers geht das Buch weit darüber hinaus. Angebahnt wurde diese Idee in der griechisch-römischen Antike ebenso wie im Alten Testament, erfuhr dann im Christentum ihren alleingültigen Durchbruch. Von hier aus richtet sich der Blick bis zur Gegenwart: Sowohl die politische wie die soziale Welt lebt vom geistigen Opfer.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 19.11.2011
Sehr positiv hat Bernhard Lang diesen Essay über das religiösen Opfer von Arnold Angenendt aufgenommen. Der Mediävist wirft für ihn einen genauen Blick auf eine Reihe von Interpretationen dieses Phänomens. Neben der kritischen Auseinandersetzung mit der Deutung Rene Girards hebt er die mit der Theorie Walter Burkerts hervor. Den Akzent von Angenendts Darstellung sieht Lang in einer klugen Entfaltung der Bedeutung des "geistigen" Opfers, das nicht nur den Verzicht auf Tiertötung und materielle Gaben bedeutet, sondern auch moralisches Verhalten fordert. Deutlich wird seines Erachtens zudem die Bedeutung der Wandlung des alten Opferbegriffs zum geistigen Opfer für die Moderne. Auch wenn für Lang einige Fragen offen bleiben, hat er den "anregenden" Essay mit Gewinn gelesen.
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