Nacherzählt von Tilman Spreckelsen. Illustriert von Kat Menschik. Zweifellos, sie sind große Weltliteratur, die Sagas der Isländer. Ihre Neuentdeckung wird prägender Bestandteil des diesjährigen Messeschwerpunkts sein. Freilich: die Wikinger-Geschichten von Rauf bolden, Dichtern, Königen, Ausgestoßenen und Berserkern hatten in Deutschland bisher noch kein großes Publikum gefunden. Denn so erstaunlich modern ihre Charaktere und Geschichten auch sind - die Erzählstrukturen des 10. und 11. Jahrhunderts stellen für viele ein Lesehindernis dar. Ähnlich wie einst Gustav Schwab für die griechischen Sagen hat sich nun Tilman Spreckelsen für die isländischen die Aufgabe gesetzt, die grandiose Geschichte von Grettir, dem Ausgestoßenen, die Nationalsaga von Njal, die des rauf lustigen Dichterhelden Egil, die der zwischen zwei Männern hinund hergerissenen Gudrun und die des gedemütigten Hühnerthorir so nachzuerzählen, dass ihr Kern erhalten, aber die Geschichten für jedermann lesbar sind.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.10.2011
Stephan Speicher hat sich mit Faszination aber auch mit dem Gefühl großer Fremdheit in einerseits ins Deutsche übersetzte, andererseits von Tilman Spreckelsen nacherzählte Isländische Sagas vertieft. Die Anstrengungen des letzteren weiß der Rezensent zu würdigen, das Ergebnis überzeugt ihn allerdings nicht recht, und er hält die Isländersagas grundsätzlich für völlig ungeeignet, sie für heutige Leser nachzuerzählen. Spreckelsen hat "vieles richtig gemacht", betont der Rezensent. Ihre additive Erzählweise, der fehlende dramaturgische Aufbau und der Mangel an Anschauung lassen sich nun mal in der Nacherzählung nicht wettmachen, findet Speicher, der den eigentlichen Wert der Sagas nur in der "Originalgestalt" erkennen kann.
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