Aus dem Französichen von Ellen Antheil und Richard Steurer. Über einen Zeitraum von mehr als zwanzig Jahren erstrecken sich die Beiträge des vorliegenden Bandes mit Interventionen Jacques Rancieres. Ereignisse unterschiedlicher Wichtigkeit und Tragweite der Irakkonflikt, die französischen Einwanderungsgesetze, die Kopftuchdebatte oder die verheerende Hitzewelle des Sommers 2003 nimmt er zum Anlass, um das Funktionieren der Macht und ihre Argumentationsmuster zu analysieren. Dabei geht es stets um zweierlei: einen singulären politischen Moment zu erfassen und die gegenwärtige politische Landschaft zu um reißen, die er bestimmt. Ein politischer Moment verleiht Forderungen Gewicht, die den Pragmatismus der Realpolitik weit übersteigen, und verschafft denjenigen Gehör, die ohne politische Legitimation und Stimme sind.
Steffen Vogel begrüßt diese Sammlung von Texten des französischen Philosophen Jacques Ranciere aus den letzten dreißig Jahren, darunter Zeitungskommentare, philosophische Randnotizen und Interviews. Neben der kundigen Übersetzung und der durchdachten Auswahl der Texte, die einen leichten Einstieg in das politische Denken des Autors ermöglichen, schätzt er vor allem dessen "eleganten", mitunter ironischen Stil. Er liest Ranciere als "antiautoritären Denker", der gegen die institutionalisiere Staatspolitik auf eine demokratische, gesellschaftlich getragene Politik setzt, in deren Zentrum die Diskussion, der Austausch von Informationen und Argumenten steht. Scharf kritisiere der Autor dagegen Sachzwang, Rassismus und die Reduktion von Politik auf Verwaltungshandeln. Vogels Fazit: hier weht der "erfrischende Geist eines hierzulande selten gewordenen antiautoritären Denkens".
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