Aus dem Amerikanischen von Klaus-Dieter Schmidt. Als vor fünfzig Jahren, auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges, die Berliner Mauer gebaut wurde, zweifelte niemand daran, dass die Fäden in Moskau gezogen worden waren. Zu abhängig waren die beiden deutschen Teilstaaten von ihren "großen Brüdern" USA und Sowjetunion. Doch anhand erstmals ausgewerteter Quellen kann die US-Historikerin Hope M. Harrison nachweisen, dass es von Anfang an SED-Chef Ulbricht und seine Parteiführung waren, die den Bau der Mauer betrieben. Moskau hingegen fürchtete die Konfrontation mit den USA und blockierte Ulbrichts Bestrebungen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 08.08.2011
Überaus positiv hat Rezensent Bernd Greiner diese Studie über den Mauerbau von Hope Harrison aufgenommen. Erhellend findet er den Ansatz der amerikanischen Historikerin, den Bau der Berliner Mauer aus der komplexen gegenseitigen Abhängigkeit von DDR und Sowjetunion zu erklären. Er attestiert der Autorin, den Druck der SED, die die Mauer wollte, auf die Führung der Sowjetunion, die bis Anfang 1961 dagegen war, klar und überzeugend herauszuarbeiten. Den Vorwurf von Kritikern, Harrison würde die Rolle der SED über die Maßen aufwerten, kann er auch angesichts neuerer Quellen nicht teilen, zumal für ihn auch deutlich wird, wie die Sowjetunion nach dem Zugeständnis des Mauerbaus das Heft wieder sichtbar in die Hand nahm. Greiners Fazit: selten wurde der Mauerbau und wie es dazu kam, derart anschaulich und spannend geschildert.
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