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zuletzt aktualisiert 20.03.2010, 13.13 Uhr

Bücher der Saison

Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Annemarie Schwarzenbach

Alle Wege sind offen

Die Reise nach Afghanistan 1939/1940

Cover: Alle Wege sind offen

Lenos Verlag, Basel 2000
ISBN-10 3857873094
ISBN-13 9783857873096
Gebunden, 172 Seiten, 18,41 EUR

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Klappentext

Herausgegeben von Roger Perret. Im Juni 1939 fuhr Annemarie Schwarzenbach mit der Genfer Reiseschrifstellerin Ella Maillart mit dem Auto nach Afghanistan. Das geplante Reisebuch kam nicht zustande, statt dessen entstanden zahlreiche Feuilletons, Reportagen und Erzählungen. Über diese Fahrt erscheint erstmals eine Auswahl von Texten - die meisten in Buchform unveröffentlicht. Die chronologische Gliederung der Arbeiten lässt den Leser, die Leserin an der äusseren und inneren Reise teilnehmen - vom Balkan über die Türkei, den Iran nach Afghanistan und zurück in die Schweiz. Annemarie Schwarzenbach erfährt hin und wieder das Glück des Unterwegsseins und die berauschend-bedrohliche Welt der Landschaft Asiens. Als Zeitzeugin protokolliert sie hellwach die gesellschaftlichen und politischen Veränderungen, während sie als Schriftstellerin die Abgründe des Ich erkundet im Spannungsfeld zwischen der oft atemberaubenden Fremde und dem Schatten des in Europa ausgebrochenen 2. Weltkriegs.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.04.2001

Wohin die Umstände die Menschen verschlagen. Annemarie Schwarzenbach, promovierte Historikerin, freie Journalistin, Freundin der Familie Mann, konnte wegen eines Beitrags in Klaus Manns "Sammlung" nicht ins Nazi-Deutschland zurück und fuhr statt dessen nach Afghanistan. Der reiche Ertrag ihrer Reise ist in einer Auswahl jetzt neu publiziert, aber Harald Hartung will nicht viel darüber schreiben, weil er die knabenhafte, drogenabhängige Frau offenbar interessanter findet als ihre Texte. Jedenfalls sind poetische Lnadschaftsschilderungen dabei, "lebensvolle Aufzeichnungen aus einem längst versunkenen Orient", Forderung nach Aufklärung und Fortschrittsskepsis.

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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 18.11.2000

Cristina Nord schätzt die Reiseaufzeichnungen der 1942 im Alter von nur 34 Jahren verstorbenen Schriftstellerin, Journalistin und Fotografin Annemarie Schwarzenbach, die der Literaturwissenschaftler Roger Perret nun in Auswahl zu einem schmalen Band zusammengestellt hat. Darin schildere die Autorin eine Reise, die sie zunächst gemeinsam mit der Reiseschriftstellerin Ella Maillart von Juni 1939 bis 1940 über Jugoslawien, die Türkei und Afghanistan bis nach Indien geführt hat. Wegen des Ausbruchs des Zweiten Weltkrieges sei das Interesse an der Reise, von der "Zürcher Illustrierten" und der "Weltwoche" finanziell unterstützt, gering gewesen. Auch handele es sich nicht um klassische Reportagen oder Tagebuchaufzeichnungen, vielmehr habe die Autorin "die Magie" von Landschaften und Orten festzuhalten versucht. Die Rezensentin nennt das Vorhaben "eine Reise als Metapher der condition humaine", in der das Unfassbare der Natur das Unfassbare der menschlichen Existenz spiegelt. Auch manche "Pathosformeln" könnten daher die Schönheit dieser Texte nicht trüben.

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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 17.10.2000

Eine Doppelperspektive prägt diese Reportagen aus Afghanistan, schreibt Roman Bucheli, der `manchmal hoffnungsfrohe, häufig aber bange Blick nach außen und in die aufgewühlten Zonen des Innenlebens`. Das Abenteuer, das als ernsthafte Erkundung gemeint war, hat als Reise zweier Schweizerinnen (mit ihr fuhr die Genferin Ella Maillart) 1939 begonnen; schon in Kabul trennen sie sich und Schwarzenbach reist alleine weiter, `eingeholt` von ihrer Drogensucht, so Bucheli. Die Berichte, von denen die meisten zu Lebzeiten der Autorin schon erschienen, erzählen wenig von den Menschen und Zuständen, denen sie am Hindukusch begegnet ist, alles wird zur `Spiegelung der eigenen Seelenlandschaft`, findet der Rezensent. Bucheli zieht eine Parallele zur Tonlage der Erzählung `Tod in Persien` bzw. `Das glückliche Tal` (eine überarbeitete Version) von Schwarzenbach. Tatsächlich, so meint er, hat sich die Autorin von ihren vergangenen Reisen und Erlebnisweisen nicht mehr freimachen können: die Reportagen sind beschwert mit der steigenden `Unruhe` einer nach `Erlösung oder Erfüllung` suchenden Schriftstellerin.

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