Der Film "Nuit et Brouillard" ["Nacht und Nebel",1956] von Alain Resnais über das nationalsozialistische KZ-System hat Bilder der Lager erstmals nach dem Krieg international einem großen Publikum vermittelt. Lindepergs Studie ist die Biografie dieses Films als "Mikrogeschichte in Bewegung" und der Benjaminschen Aufforderung an den Historiker verpflichtet, "in der Analyse des kleinen Einzelmoments den Kristall des Totalgeschehens zu entdecken". Lindepergs Studie ist weit über den Kreis der Dokumentarfilm-Interessierten hinaus bedeutsam: die exemplarische Filmbiografie ist als Methode zeit- und filmhistorischer Forschung etabliert und trägt der immer enger werdenden Verschränkung von Medien und Geschichte Rechnung.
Sylvie Lindepergs nun auf Deutsch vorliegende Studie zum Dokumentarfilm "Nacht und Nebel" wird von Bert Rebhandl mit Attributen wie "vorbildlich", "groß" oder "eindrucksvoll" gepriesen. Die Autorin untersucht darin alle Aspekte der Entstehung und Rezeption des 1956 entstandenen Films von Alain Resnais über die nationalsozialistischen Konzentrationslager. Erhellend beleuchtet die Autorin die Frage, wie dieser Dokumentarfilm seine anhaltende Wirkung entfalten konnte, der zu einem Zeitpunkt entstand, als für die historische Forschung noch vieles im Dunkeln lag und einige falsche Informationen kursierten, lobt der Rezensent. So sind insbesondere die speziellen Interessen verschiedener Gruppen an der Erinnerung, die das Hauptaugenmerk nicht auf die 6 Millionen ermordeten Juden, sondern vielmehr auf 9 Millionen Opfer allgemein legte, bei Lindeperg herausgearbeitet, stellt Rebhandl anerkennend fest. Sehr fasziniert zeigt er sich davon, wie der Film trotz unsicherer Faktenlage zu einem so frühen Zeitpunkt ein derart eindrückliches Bild zeichnen konnte, das bis heute "der Geschichte standhalten" konnte, bei allen Irrtümern und Verzerrungen, die er notwendig beinhaltete.
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