Aus dem Amerikanischen von Thomas Gunkel. Nick Flynn hält das Ultraschallfoto seiner ungeborenen Tochter in Händen. Ein Bild, das ihm nicht nur die Welt zum Leuchten bringt, sondern auch seine Sinne schärft, sowohl für das Schöne wie auch das Böse unter der Sonne. Dann, auf der Fahrt nach Hause, ist im Autoradio die Rede von ganz anderen, ungeheuerlichen Bildern, die im Irak aufgenommen wurden. Von einer jungen Amerikanerin, die in einem Gefängnis einen Mann an einer Leine führt. Später, im Fernsehen, werden diese Bilder sichtbar. Und mit einem Schlag wird Nick Flynn bewusst, dass sich mitten in der Welt, in die seine Tochter geboren werden soll, ein unfassbarer Abgrund geöffnet hat.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.11.2010
Beate Tröger lernt mit Hiromi Kawakamis jüngstem Roman einen ganz neuen, "schwermütigen Ton" der japanischen Autorin kennen. Die Geschichte um die von ihrem Mann verlassenen Kei, die mit einer Reise ans Meer und im Dialog mit einer seltsamen Geisterfrau ihren Verlust verarbeitet, hat sie aber ganz in den Bann geschlagen, wie sie bekennt. Die Rezensentin zeigt sich beeindruckt von den intensiven Schilderungen, die zu ihrer Erleichterung meilenweit von "Selbstbefreiungs- und Selbstfindungskitsch" entfernt sind. Und die "surrealen" Motive und die melancholische Grundstimmung werden wirkungsvoll konterkariert von sehr sinnlich dargestellten kulinarischen Genüssen, stellt Tröger noch eingenommen fest.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.11.2010
Was Fridtjof Küchemann an Nick Flynns vorigem Buch geschätzt hat, "Stringenz" und eine gelungene Dramaturgie die aus der inneren Dringlichkeit entsteht, vermisst er schmerzlich in dessen jüngstem Werk. Der Autor verbindet darin den Entschluss zur Gründung einer Familie mit dem Abu Ghraib-Folterskandal, es ist also genauso ein Buch über Folter wie eine persönliche Auseinandersetzung mit dem Vaterwerden und seiner Stellung als Schriftsteller, erklärt der Rezensent. Herausgekommen ist - bei aller bewundernswerten "Radikalität", bedingungslosen "Subjektivität" und "Kühnheit" - aber leider ein "biografisches Potpourri", beklagt sich Küchemann, der sich eine klarere Struktur in diesem Genremix aus Reportage, Essay, Erinnerungen und Gedichten gewünscht hätte.
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