Edward Shorter

Geschichte der Psychiatrie

Cover: Geschichte der Psychiatrie
Alexander Fest Verlag, Berlin 1999
ISBN 9783828600454
                         , 592 Seiten, 34,77 EUR

Klappentext

Was ist Wahnsinn? Wie wurden Geisteskrankheiten im Lauf der Zeit wahrgenommen? Welche Behandlungsmethoden wurden angewandt? Edward Shorters "Geschichte der Psychiatrie" beantwortet diese Fragen auf ebenso spannende wie anschauliche Weise. Von ihren Anfängen in den finsteren Verliesen des 18. Jahrhunderts bis hin zu den diskret verborgenen Sanatorien unserer Tage verfolgt er die Entwicklung der Psychiatrie - und legt damit eine Kulturgeschichte der menschlichen Seele vor.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.12.1999

Einen ausführlichen und wütenden Verriss hat Ludger Lütkehaus diesem Buch gewidmet, denn ihm zu Folge lässt der Autor weder die Antipsychiatrie der 60er und 70er Jahre noch überhaupt Psychoanalyse oder psychotherapeutisches Arbeiten dieser oder jener Richtung gelten: Freud sei unwissenschaftlich und gefährlich, die Analyse eine jüdische Erfindung für hysterische Jüdinnen. Ein weiterer "Lieblingsgegner" Shorters, so Lütkehaus, ist Foucault; und alle Arten und Abarten feministischer und antikapitalistischer Kritik sind ihm nur noch Hohn und Spott wert. Zwar sind nach Meinung des Autors in den alten Anstalten der Psychiatrie die "maximal invasiven Techniken" - sprich Lobotomie, Insulinkoma, Elektroschocks - auch nicht immer der vernünftigste Umgang mit dem Wahnsinn gewesen, aber durch die "Revolution der zweiten biologischen Psychiatrie", sprich Psychopharmakologie, sind und werden sie längst ersetzt und zusammen mit der hirnphysiologischen Diagnostik daher alle lösbaren Probleme auch lösen. Eine "Festschrift der Psychopharmakologie", empört sich Lütkehaus, der sich selbst durchaus kritisch zu Antipsychiatrie und Psychoanalyse stellt. Warum eine so ausführliche Beschäftigung mit Shorter, wenn sein Buch passagenweise zum reinen "Pamphlet" abgleitet? Offenbar, weil der Autor in ernstzunehmender Weise - bisher jedenfalls - in der Fachliteratur zitiert wird. Man ahnt: er repräsentiert einen Trend des Revisionismus und hätte vom Rezensenten hierzu gerne mehr gehört.

Beliebte Bücher

Norbert Gstrein. Im ersten Licht - Roman. Carl Hanser Verlag, München, 2026.Norbert Gstrein: Im ersten Licht
Zwei Weltkriege, ein Jahrhundert: ein eigenwilliges Leben voller Schönheit, Tragik und Widersprüche. Norbert Gstrein schenkt uns ein ganzes Menschenleben. Dabei ist jedes…
Robert Menasse. Die Lebensentscheidung - Novelle . Suhrkamp Verlag, Berlin, 2026.Robert Menasse: Die Lebensentscheidung
Frustriert von den Mühlen der Bürokratie, trifft Franz Fiala eine "Lebensentscheidung" und wirft seinen Job bei der Europäischen Kommission hin. Als er seine Mutter zum 89.…
Siri Hustvedt. Ghost Stories - Ein Buch der Erinnerung. Rowohlt Verlag, Hamburg, 2026.Siri Hustvedt: Ghost Stories
Aus dem Amerikanischen von Uli Aumüller und Grete Osterwald. Als er im Sterben lag, sagte Paul Auster seiner Frau, er wolle ein Geist werden. Und das ist er für Siri Hustvedt…
Colin Walsh. Kala - Roman. Gutkind Verlag, Berlin, 2026.Colin Walsh: Kala
Aus dem Englischen von Andrea O'Brien. In der Küstenstadt Kinlough an der Westküste Irlands treffen drei alte Freunde nach Jahren wieder aufeinander. Im Sommer 2003 gehörten…