Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Klappentext
Die weite Steppe der Tuwa-Nomaden in der Mongolei ist seine Heimat, hier wandern und stehen die Jurten seiner Sippe, seiner Vorfahren. Doch Dshurukuwaa besucht die ferne Schule, geht den "Weg des Wissens". Die moderne, sozialistische Erziehung der Mongolei in den sechziger Jahren will die jahrhundertealten Traditionen zerstören. Der Glaube an Vater Himmel und Mutter Erde gilt als rückständig, Geister und Schamanen werden verfolgt. Der jugendliche Dshurukuwaa, zum Schamanen berufen, zum Wissen verdammt, wird erwachsen. Er verliebt sich, macht erste sexuelle Erfahrungen und trifft schließlich seine große Liebe. Gleichzeitig spürt er Verantwortung gegenüber der Familie und der Vergangenheit und ist, hin und hergerissen zwischen persönlichem Freiheitsdrang und einem ursprünglichen Leben als Jäger und Hirte, auf der Suche nach seiner ihm eigenen Bestimmung: Wer bin ich, wohin gehöre ich? Wie wollen wir leben?
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 07.02.2001
Dorothea Trottenberg nutzt die Rezension vor allem, diesen faszinierenden Autor vorzustellen, der in Leipzig deutsch lernte, seine Bücher auf deutsch schreibt und gleichzeitig "Stammesoberhaupt und Schamane" seiner tuwinischen Sippe ist, einem Nomadenstamm, der zwischen Südsibirien und der Mongolei umherzieht. "Der weiße Berg" ist ein autobiografischer Roman, so Trottenberg, der erzählt, wie der 15jährige Tschinang hin- und hergerissen wird zwischen den traditionellen Lebensformen seines Stammes und dem modernen Wissen der russisch-sozialistischen Gesellschaft. Tschinang scheint es irgendwie geschafft zu haben, in beiden Welten leben zu können - das beweist vor allem sein Stil, meint die begeisterte Rezenstin: er verbinde "morgenländisch-ornamentale Sujets und abendländisch-nüchterne Sprache auf erstaunliche Weise".
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.10.2000
Jörg Drews ist von diesem autobiografischen Roman schlicht begeistert. Auch die Lebensstationen des Autors Galsan Tsching sind äußerst ungewöhnlich: einst mongolischer Abiturient vom Stamm der Tuwa-Mongolen, einer turksprachigen Minorität, verschlägt es ihn auf der Flucht vor den Zwängen seiner Sippe ausgerechnet nach Leipzig, wo er Dichter werden will, und es auch tatsächlich wird! Der Rezensent umreißt anschaulich die beiden großen Problemfelder, die sich aus dieser ungewöhnlichen Biografie ergeben: Das erste bezeichnet er als "einen der Grundkonflikte unserer Epoche", nämlich die Zerrissenheit des Menschen zwischen "instrumentellem und mythischen Wissen". Das zweite ergibt sich aus Tschings Zugehörigkeit zu einer Minorität. Er wird für Drews dadurch "zum Chronisten einer Gemeinschaft und einer Kultur (...), deren Tage wahrscheinlich gezählt" sind. Das Ganze wird mit einer gehörigen Portion Ironie und Spott für den Ehrgeiz des Romanhelden erzählt, versichert Drews, und - sozusagen als Zugabe - gibt es eine "wunderbare" Liebesgeschichte!
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