Herausgegeben von Jörg Fingerhut, Gerald Hartung und Rüdiger Kramme. Die hier ausgewählten Vorlesungen und Vorträge Cassirers, entstanden zwischen 1907 und 1945, führen die Thematik seiner Hamburger Antrittsvorlesung "Zur Beziehung zwischen Philosophie und exakter Wissenschaft" (1919) in unterschiedlichen Zusammenhängen aus: Das Spannungsverhältnis zwischen dem Apriorismus der kritischen Philosophie und modernen wissenschaftstheoretischen Richtungen sowie einzelwissenschaftlichen Befunden. Davon zeugt bereits seine Probevorlesung 1907, seine fortgeführten und vertieften Untersuchungen zur Einsteinschen Relativitätstheorie (WS 1920/21), und seine dort und in den weiteren Arbeiten fortgesetzten Auseinandersetzungen mit dem "Wiener Kreis" um "die Einheit der Wissenschaft" (1931).
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 29.09.2010
Ralf Konersmann ist die Freude anzumerken über den nunmehr achten Band aus den nachgelassenen Schriften des Kultur- und Wissenschaftsphilosophen Ernst Cassirer. Konersmann geht so weit, die vorliegenden Schriften als Cassirers entscheidendes Feld zu bezeichnen, geht es hier doch um nicht weniger als die Grundlegung der wissenschaftlichen Forschungspraxis durch ihre Reflexion. Und dies nicht in der Art heute gängiger Absetzungsversuche, wie Konersmann respektvoll bemerkt, sondern gerade als traditionsbewusster, wenngleich kritischer Anschluss etwa an Descartes, Euler, Einstein. Wissenschaft als autonome Kulturleistung zu sehen und ihre systematische Einheit zu propagieren, ohne jedoch strukturelle Gegensätze zu leugnen, das ist Cassirers Beitrag, an den sich laut Konersmann aktuell anschließen lässt.
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