Aus dem klassischen Chinesisch von Henrik Jäger. Der chinesische Philosoph Mengzi (lat. Menzius, geb. um 370 v. Chr. , gest. um 290 v. Chr.) gilt als der wichtigste Nachfolger des Konfuzius. Menzius war einer der bedeutendsten "wandernden Philosophen" seiner Zeit, der zu den Fürsten und Königen reiste, um sie zu beraten und ihnen seine Vision von der "menschlichen Regierung" nahezubringen. Menzius geht davon aus, dass die Natur des Menschen ursprünglich gut ist. Da alle Menschen von Natur aus gut sind, haben sie alle die gleiche Würde. Es ist jedoch die Aufgabe der Regierenden, Lebensbedingungen zu schaffen, die genug Wohlstand und Bildung ermöglichen, damit diese Würde auch verwirklicht werden kann. Daraus zieht Menzius als erster Philosoph der Weltgeschichte den revolutionären Schluss, daß ein Herrscher, der durch seine Regierungsweise den Menschen schadet, durch die Untertanen abgesetzt werden dürfe.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.03.2010
Einen der wichtigsten Interpreten des Konfuzianismus auf so kongeniale Art und Weise nahegebracht zu bekommen, lässt Rezensent Mark Siemons sich gern gefallen. Dass Henrik Jäger für sein Menzius-Lesebuch nicht wie üblich einfach Sentenzen wiedergibt, sondern die chinesische Denkbewegung des "gar Lesens" (so oft lesen, bis man verstanden hat) nachvollzieht, hält er für essentiell wichtig für das Verständnis der Texte. Eingebettet in ein Bezugsgeflecht aus zeitgenössischen Kommentaren, den Originaltexten, Erläuterungen und Jägers eigener Deutung, bekommen die vom Herausgeber ausgewählten und übersetzten Zitate für Siemons einen historischen Zusammenhang und ihre spezifische prozesshafte Wahrheit, die auch den Leser einschließt, indem sie ihn zum Weiterdenken anregt, wie der Rezensent betont. Dass Jäger seine eigenen Interpretationen nicht in den sinologischen Forschungszusammenhang stellt, weil er an begrifflichen Einordnungen nicht interessiert ist, birgt laut Siemons zwar Risiken (der Plausibilität, des willkürlichen Zitierens). Den Wert dieser Vorführung einer uns fremden und, wie Siemons findet, unterschätzten Denkbewegung mindert das für ihn aber nicht.
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