Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Aus dem Spanischen von Elke Wehr und Luis Ruby. Jaime Deza arbeitet für eine Sondereinheit des britischen Geheimdienstes, darauf spezialisiert, die Gesichter seiner Mitmenschen zu dechiffrieren, um daraus ihr Handeln vorherzusagen. Er kehrt von London nach Madrid zurück, um die eigene Familie zu beschützen und dabei auszuspionieren. Und er muss entdecken, dass uns Gewalt und Verrat, selbst an den Nächsten, eingeimpft sind wie ein Gift.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info):
Javier Marias: Dein gesicht morgen - Leseprobe beim Klett-Cotta Verlag
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 01.07.2010
Dieses Mammutwerk ist grandios und Zumutung zugleich, schreibt Rezensent Ijoma Mangold in hymnischer Überanstrengung. Zwar fand er den ersten Band noch "als Kunstwerk misslungen". Und auch nach dem dritten Band muss der Rezensent zugeben, dass der Roman zu lang, zu esoterisch und auch zu unwahrscheinlich in seiner Konstruktion ist. Und doch ist Mangold seinem Sog letztlich erlegen. Im Zentrum der Handlung steht ein Geisteswissenschaftler mit starken manipulativen Kräften, der von seinem ehemaligen Professor an den britischen Geheimdienst vermittelt wird, lesen wir, der mit so grauenvollen Gewalttaten konfrontiert wird, dass Mangold das eigentlich gar nicht lesen mochte. Dann geht es noch um diverse Formen von Geheimwissen, weshalb man der Geschichte auch wie einer Geheimlehre folgen muss, versichert Mangold, der sichtlich froh ist, dass er sich mit der Lektüre des dritten Bandes für den Orden qualifiziert hat. Luis Rubys Übersetzung dieses dritten Teils der gewaltigen Trilogie ist übrigens, so Mangold, der Übersetzung der ersten beiden Bände durch die verstorbene Elke Wehr ebenbürtig.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.06.2010
Kersten Knipp hält sich in seiner Kritik von Javier Marias' letztem Teil seiner Trilogie "Dein Gesicht von morgen" nicht mit Lob und Tadel auf, sondern widmet sich ernst den in "Gift, Schatten und der Abschied" aufgeworfenen Fragen. Mit Beklemmung verfolgt er den Werdegang des Erzählers, der als Mitglied des britischen Geheimdiensts in der psychologischen Abteilung die Aufgabe hat, Menschen anhand ihrer Physiognomie und ihres Verhaltens abzulesen, welcher späteren Taten sie fähig sind. Dabei müsse sich der Erzähler Videos mit entsetzlichen Folterszenen ansehen, die ihn in seinem Glauben an die Handlungssouveränität des Menschen erschüttern, erklärt Knipp. Für ihn ist dieser letzte Teil der Romantrilogie nicht zuletzt ein Essay über die "Wandlungsfähigkeit" und die Unberechenbarkeit des Menschen, und als solcher hat er ihn offenbar tief beeindruckt.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 01.04.2010
Tobias Lehmkuhl hat nun auch den dritten Band von Javier Marias' monumentalem Werk "Dein Gesicht morgen" gelesen und betont, dass "Gift und Schatten und Abschied" kein eigenständiges Werk ist, sondern als Abschluss der Romantrilogie gelesen werden muss. Es geht um Jaime Deza, der für den Geheimdienst MI6 einschätzen soll, wie bestimmte Menschen in Extremsituationen reagieren, welcher Taten sie fähig sind und ob man sich auf sie verlassen kann. Indem Deza aber die Welt als "Ansammlung von Interpretationen und Fiktionen" versteht, wird sie ihm zum Problem, denn es gibt für ihn keine Gewissheiten, erklärt der Rezensent, der diese Einschätzung auch auf den Autor selbst ausweitet. Man spürt, dass Lehmkuhl die Lektüre mit ihren mäandernden Sätzen und der labyrinthischen Erzählweise, eben das, was der Fan als den "unwiderstehlichen Marias-Sound" schätzt, nicht immer leicht gewesen ist. Und er betont, dass der Roman mit Ausnahme einer sehr komischen Passage insgesamt nur selten unterhaltsam ist. Insgesamt aber erscheint ihm Marias als eher "konventioneller Erzähler", der zwar an Marcel Proust und Michel Butor erinnert, aber leider nicht deren erzählerische "Kühnheit" besitzt, wie der Rezensent beklagt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 03.03.2010
Eine Hymne an die Erzählkunst des Javier Marias ist Arno Widmanns Kritik des Abschlussbandes seiner Trilogie, und zugleich ein Lobgesang an die Leser, die ihn trotz seiner anspruchsvollen Prosa millionenfach lesen. Der Rezensent schwelgt in der Opulenz des virtuosen Erzählens, das dem Leser auch ausufernde Satzgefüge, Verweise und schwer Verständliches zumutet, wie er betont. Dass dabei auch hin und wieder der Blick auf die Erzähltechnik geöffnet wird, macht für Widmann einen weiteren "Reiz" dieser Prosa aus und schenkt ihm gar "Erleuchtungsmomente", wie er schwärmt. Über den vorliegenden Roman erfahren wir eigentlich nicht viel mehr, als dass es um Geheimagenten geht, also "ums Reden und ums Schweigen", wie der Rezensent erklärt. Aber Widmann lässt keinen Zweifel daran, dass die Lektüre der 726 Seiten, die diese insgesamt über 1600 Seiten umfassende Trilogie abschließen, in den Bann schlagen wird und zudem ein "Gefühl von Freiheit" schenkt, dass direkt der Fantasie entspringt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.02.2010
Eine gewaltige Hymne auf das Werk des Autors Javier Marias ist Markus Gassers Besprechung von Marias' jüngstem und eigener Auskunft nach letztem Roman "Gift und Schatten und Abschied". ("Was ich leisten konnte, ist getan", wird der Autor zitiert.) Mit dem vorliegenden Band ist die "Dein Gesicht morgen"-Trilogie abgeschlossen, und Gasser macht keinen Hehl daraus, dass er sie für eine der ganz großen Leistungen moderner Romanliteratur hält. Es geht darin ums Jahrhundert und seine Verbrechen im Ganzen, es gehen darin jede Menge Gespenster um, Shakespeare überdies und sichtbar wird so das Gespenstische des Zeitalters insgesamt. Etwas konkreter: Der Protagonist und Erzähler Jacobo Deza - bekannt schon aus dem früheren Roman "Alle Seelen" - wird von einem Literaturprofessor namens Wheeler für den Geheimdienst MI 6 rekrutiert. Beide verfügen sie über die übersinnliche Fähigkeit, den Menschen von heute die Dinge, die sie morgen tun, abzulesen. Nach Art eines Spannungsromans entfaltet, so Gasser, seine Jahrhundertgeschichte, und überragt durch Anspielungsreichtum und literarisches Können doch alles, was im Genre je leistbar ist. Heraus komme dabei eine "literarische Sinfonie", ja, ein "fast schon ans Unwahrscheinliche grenzendes Meisterwerk".
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Uangenehm plausibel
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