Perlentaucher - Das Kulturmagazin

| Folgen Sie uns auf Twitter | Folgen Sie uns auf Facebook | Anmelden | Mobil | RSS | Newsletter

zuletzt aktualisiert 12.02.2012, 14.50 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Alma Guillermoprieto

Havanna im Spiegel

Eine Erinnerung an die Revolution

Cover: Havanna im Spiegel

Berenberg Verlag, Berlin 2009
ISBN-10 3937834338
ISBN-13 9783937834337
Gebunden, 320 Seiten, 25,00 EUR

Bestellen bei Buecher.de

Klappentext

Aus dem Spanischen und Englischen von Matthias Wolf. 1970 verließ die junge Mexikanerin Alma Guillermoprieto New York, um in Havanna als Dozentin an der Staatlichen Ballettschule zu lehren. Fast ein Jahr lang arbeitete sie in Studios ohne Spiegel. Ihre schlecht ausgebildeten, aber vor Ehrgeiz glühenden Schüler trainierten ohne dieses als individualistisch verschrieene Hilfsmittel. Und doch fand die junge Frau inmitten chronischen Mangels und revolutionärem Durcheinander ein Volk von begeisterten, hingegebenen Menschen, die sie tief berührten und ihr Leben in neue Bahnen lenkten. Dieses Erinnerungsbuch einer Frau, die heute als eine der besten Lateinamerika-Spezialisten für den "New Yorker" schreibt, führt zurück in eine Zeit, als noch ein ganzer Kontinent an Fidel Castros Lippen hing, während das politische Experiment, über das er stundenlang redete, bereits gescheitert war, als Tänzer und Revolutionäre dieselbe geschichtsträchtige Bühne bevölkerten und selbst ein Pas de Deux sich in einen zutiefst politischen Akt verwandeln konnte.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.05.2010

Alma Guillermoprietos Erinnerungen an ihre Zeit als Tanzlehrerin in Havanna im Jahr 1970 sind beileibe keine nostalgische Revolutionsromantik, stellt Rezensent Knut Henkel angetan fest. Deutlich ist für den Rezensenten noch die Irritation der Autorin herauszulesen, wie gering im revolutionären Kuba die Kunst geschätzt wurde und insbesondere die "Widersprüche" der kubanischen Wirklichkeit sind der damals 20-jährigen Mexikanerin sehr präsent, erklärt der Rezensent. Henkel fällt aber auf, dass insbesondere, wo es um die kritische Beurteilung der kubanischen Entwicklung geht, eher die 60-jährige Journalistin spricht als das "unbedarfte Tanzküken". Wie schon in ihren Auslandsreportagen beweise Guillermoprieto einen scharfen Blick für Details, lobt Henkel, der diesen "ungewöhnlichen" Blick auf das revolutionäre Kuba offensichtlich sehr erhellend fand.

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.01.2010

Rezensent Merten Worthmann sieht in diesen Erinnerungen der amerikanischen Autorin Alma Guillermoprieto einen weiteren Beleg für das Gespür des Berenberg Verlag, literarisch hochstehenden Journalismus ausfindig zu machen. Die hierzulande eher unbekannte Guillermoprieto, setzt uns Worthmann in Kenntnis, gehört in den USA zu den profilitiersten Autorinnen, vom Magazin Foreign Policy wurde sie zu den hundert einflussreichsten Intellektuellen gerechnet. In diesem Buch erinnert sie sich an das Jahr 1970, da sie, als junge sehr avantgardistische Tänzerin im Ensemble von Merce Cunningham, vom Meister nach Kuba als Lehrerin geschickt wird. Gekränkt bis verzweifelt ob dieser Zurückweisung, begibt sie sich ins revolutionäre Havanna, in dem Avantgarde vor allem Parteinähe bedeutete und Spiegel im Tanzsaal nicht geduldet wurden, weil sie dem "individualistischen Hochmut" Vorschub leisteten. Und auch wenn sich ihr Entsetzen über die "strukturelle Kunst- und Intellektuellenfeindlichkeit" schwerlich mit dem Willen zur Revolution verbinden lassen, so wie auch die politischen und persönlichen Bögen in diesen Erinnerungen manchmal ein wenig disparat verlaufen, so bewundert Worthmann doch, wie Guillermoprieto das "bizarre Dreieck aus Tanz, Revolution und Todessehnsucht" abschreitet.

Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.12.2009

Rezensent Knut Henkel ist recht angetan von Alma Guillermoprietos Erinnerungen an das revolutionäre Kuba. Das Buch der erfahrenen Journalistin, die unter anderem für die Washington Post, die New York Times und den New Yorker schreibt, ist für ihn ein interessanter, aber nie nostalgischer Rückblick auf ihre Zeit als junge, politisch unbedarfte Tanzlehrerin im Havanna der 1970er Jahre. Besonders schätzt er die Beobachtungsgabe der Autorin und die ungewöhnlichen Einblicke, die sie ermöglicht. So hat er viele ihm bislang unbekannte Details über das Kuba der siebziger Jahre erfahren. Sein Resümee: melancholische Erinnerungen an eine Revolution, "die viele Hoffnungen weckte und nur wenige erfüllte".

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Mailen | Drucken | Merkzettel | Empfehlen auf Facebook | Twittern |

blog comments powered by Disqus

Archiv: Bücherschauen

Uangenehm plausibel

11.02.2012: FAZ und taz sind höchst unterschiedlicher Auffassung über Christian Krachts neuen Roman "Imperium": Die eine erfreut sich an Krachts "prunkend exquisiter" Sprache, die andere meint: Pauschalreiseprosa. Die NZZ ist erschüttert von Drago Jancars Roman "Nordlicht". Der FR graust es in Benjamin Steins neuem Roman "Replay". Die SZ ist zwiespältig bei Zeruya Shalev. Die taz pisst außerdem mit Vergnügen in den Wind. Mehr lesen

Archiv: Vorgeblättert

Joan Didion: Blaue Stunden

09.02.2012: In "Blaue Stunden" erinnert sich die amerikanische Autorin Joan Didion an ihre Tochter, daran, wie es war, sie aufwachsen zu sehen und Abschied zu nehmen, als sie mit 39 Jahren starb. Es ist eine persönliche Bilanz über Erinnerung und Alter. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen

Maria Sonia Cristoff: Unbehaust

06.02.2012: Würden sich die Tiere an das erinnern, was der Mensch ihnen zumutet, wären wir (die Menschen) vom Aussterben bedroht. Lesen Sie hier einen Auszug aus Maria Sonia Cristoffs Geschichten zur unwahrscheinlichen Beziehung von Mensch und Tier: "Unbehaust. Was Menschen mit Tieren machen". Mehr lesen

Lisa Kränzler: Export A

02.02.2012: Um Love and Tears geht es im Roman von Lisa Kränzler, in dem sie von Lisa erzählt, einer 16-jährigen Austauschschülerin in Kanada, hin- und hergerissen zwischen Gehorsam und Ausbruch. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Erstlingsroman "Export A". Mehr lesen

Archiv: Buchautoren