Als erster christlicher Kaiser ist Konstantin der Große in die Geschichte eingegangen. Er, der die Konfrontation zwischen dem römischen Staat und dem Christentum beendete, wurde als Heiliger verehrt und als politisches Vorbild betrachtet, aber auch bezichtigt, das Christentum durch die Übertragung weltlicher Macht korrumpiert zu haben. Er galt als Muster des dem Glauben dienenden Herrschers und zugleich als Inbegriff des Machtmenschen, für den Religion nur ein Mittel zum Zweck war, er wurde als Erneuerer des Römischen Reiches gelobt und als Verursacher seines Untergangs getadelt.Von der Spätantike bis in die Gegenwart bewegt sich das Bild des Kaisers zwischen positiven und negativen Extremen. Er ist nicht nur ein Thema der Geschichtsschreibung; vielmehr haben sich weltliche Herrscher und kirchliche Würdenträger ebenso mit dieser schillernden Gestalt beschäftigt wie Politiker und Literaten, Philosophen und Künstler.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.11.2009
Ist es noch Vielfalt oder schon Inkohärenz, was dieser von Andreas Goltz und Heinrich Schlange-Schöningen herausgegebene Sammelband über Konstantin den Goßen dem Leser bietet? Wolfgang Schuller scheint geneigt, für ersteres zu stimmen. Zwar werfen ihn die Beiträge ganz schön hin und her zwischen Konstantin-Bildern aus dem Byzanz des 9. Jahrhundert über Heiligenlegenden aus dem 12. Jahrhundert bis in die neuzeitliche Wirkungsgeschichte, etwa bei den französischen Enzyklopädisten. Doch findet Schuller auch Spezifischeres (zu Jacob Burckhardts Konstantin-Bild) und in Anlage und Argumentation Mustergültiges, wie eine Nachzeichnung der Diskussion um die Konstantinische Schenkung. Dass alles zusammen seine Berechtigung hat, erfährt der Rezensent nicht zuletzt durch Alexander Demandts Einführung, die ihm verdeutlicht, wie ungesichert vieles aus Konstantins Lebenszeit auch heute noch ist.
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