Irene arbeitet in einem Fundbüro, zieht aber vorübergehend in ein Haus an einem See und begibt sich auf die Suche nach ihrem Zwillingsbruder. Denn am gegenüberliegenden Ufer hatte "Zwilling" gewohnt. Bevor die Zwillinge einen Namen trugen, erwartete die Mutter nur ein Kind - Paul oder Paula. Aus Paula wurde Irene. Manchmal nennt sich Irene Paula; Zwilling heißt dann Monsieur Paul. Vor dem Einschlafen, am Rand der Nacht beginnt das Spiel: Es war einmal eine Beiografie...
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 21.09.2000
Ein Roman schreibt den anderen fort, dies scheint Sybille Birrer bei Theres Roth-Hunkeler der Fall zu sein. Mehr als einmal habe sie das Gefühl gehabt, schon einmal im Familienalbum geblättert zu haben, begründet die Rezensentin ihre Annahme. Und wie in den beiden vorhergehenden Romanen stehe auch diesmal wieder eine Frau im Mittelpunkt, die nicht nur "erinnerungsversessen" und "wortsüchtig" sei, sondern zudem auch noch besessen von Namen, weshalb die Protagonistin aus ihrem Zwillingsdasein ein Namensverwirrspiel macht. Die Bearbeitung bereits abgehandelter Thematik - die provinzielle Enge in der Schweiz der 60er und 70er Jahre - hat ihr Gutes, findet Birrer; gerade diese der Vergangenheit zugewandten Passagen findet sie ausgesprochen prägnant, präzise und dicht in der Beschreibung. Gar nicht zufrieden zeigt sich die Rezensentin mit der konturlos bleibenden Gegenwartsebene in dem Roman, der Roth-Hunkeler durch sprachliche Kunstgriffe zu entsprechen versuche, die Birrer bloß gekünstelt, aber keineswegs kunstvoll vorkommen.
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