"Warum schreiben", hat Kunert schon vor mehr als drei Jahrzehnten in einem berühmten Band gefragt, in dem er über Schriftsteller und Bücher geschrieben hat. Für ihn sind Schreiben und Lesen gleichermaßen lebensnotwendige Vorgänge, zwei Seiten einer Medaille. Er verknüpft das Nachdenken über sein eigenes Schreiben mit dem, was er an den Großen der Literaturgeschichte wie den Zeitgenossen beobachtet und für sich produktiv macht. Kleist und Goethe befragt er immer wieder neu, Thomas Mann und Gustav Meyrinks Golem bringt er in überraschende Zusammenhänge; und niemals bleibt Kunert dabei im Theoretischen stecken, sondern er erzählt unaufdringlich auch von seinen biographischen Erfahrungen. Anekdoten über die Rivalität zwischen Becher und Brecht etwa oder über die Hühnerzucht von Walter Kempowski spiegeln das Ineinander von erhabenem Anspruch und Understatement.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.10.2009
Laut Rezensent Friedmar Apel erweist sich der Autor in diesen Essays einmal mehr als "hellsichtiger Schwarzseher" und als großsprecherischer Revolverheld, der zum Glück oft auf sein eigenes Spiegelbild schießt. Die Selbstironie muss schon sein, lässt Apel uns wissen. Anderenfalls wären dem Rezensenten Günter Kunerts Verwünschungen gegen die Literatur, die Geschichte, die Medien etc. allzu oft allzu undeutlich und auch mal zu gönnerhaft (im Fall Goethe etwa) erschienen. So jedoch vermag Apel Kunerts Haudraufrhetorik ganz gut zu ertragen, als "Form munterer Selbstbehauptung".
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