Bücherschau der Woche
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Klappentext
Aus dem Amerikanischen von Robin Detje. DJ Darky hat ein phonographisches Gedächtnis. Nachdem er in Los Angeles den perfekten Beat kreiert hat, begibt er sich auf die Spuren des legendären, in Ostdeutschland abgetauchten Jazz-Avantgardisten Charles Stone, genannt Schwa, seinem musikalischen und spirituellen Doppelgänger. Die Suche führt ihn nach Berlin zur Zeit des Mauerfalls, wo er eine Stelle als Jukebox-Sommelier in der Bar »Slumberland« antritt. Er entdeckt seine sexuelle Macht, lernt den Musikgeschmack eines Neonazis kennen und vergleicht die Situation der Ostdeutschen nach der Wiedervereinigung mit der der Afroamerikaner nach dem amerikanischen Bürgerkrieg. Paul Beatty spielt virtuos mit den Verhältnissen zwischen den Geschlechtern, zwischen Schwarz und Weiß, Ost und West, Jazz und Techno, und mischt daraus einen mitreißenden neuen Sound.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.07.2010
Auch wenn sich in Paul Beattys der ein oder andere Identitätsdiskurs in diesem Buch findet, stellt Alexander Müller klar, dass es sich bei "Slumberland" um einen Roman handelt, und zwar einen sehr gewitzten und sehr unterhaltsamen, und nicht um eine verkappte popkulturelle Magisterarbeit. Beatty schickt seinen Helden DJ Darky ins Berlin der Wendezeit auf die Suche nach einer verschollenen Jazzlegende und lässt ihn dabei in ein schlummerndes Grenzland geraten zwischen Ost und West, Schwarz und Weiß, Tag und Nacht. Dass er dabei auch noch gelernt hat, wie man Klangmauern baut, welche Farbe der Klang einer Bratsche hat (helles Malachitgrün) und was der vollkommene Beat ist, stimmt Müller umso froher.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.12.2009
Rezensent Jonathan Fischer findet den neuen Roman des afroamerikanischen Autors Paul Beatty durchweg unterhaltsam, auch wenn Beatty keine wirkliche Geschichte erzählt, sondern sich eher "von Pointe zu Pointe" bewege und dabei "ziemlich zusammenhanglose Vignetten aneinanderreihe, wie der Rezensent vorwarnt. Diesmal hat Beatty die Abenteuer seines in den Romanen immer wiederkehrenden "schwarzen Mannes auf der Suche nach sich selbst" nach Berlin verlegt, wo der Autor Mitte der Neunziger Jahre ein Jahr als Stipendiat verbrachte. Fischer gefällt der Enthusiasmus, mit dem Beatty "seine Haken schlägt" , und auch, dass er Identitätszuschreibungen mit "von Coolness grundierte Ironie" unterläuft - auch wenn das Ergebnis ab und an blanker Slapstick sei.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 14.10.2009
Dieser Stimme ist Rezensent Ekkehard Knörer sofort verfallen: Hochmusikalisch sei sie, von sprachlich unglaublicher Virtuosität und einfach umwerfendem Witz. Dass Paul Beatty das absolute Gehör besitzt, steht für den Rezensenten ganz klar fest. Denn dass es in dem Roman um einen DJ geht, der kurz vor dem Mauerfall von New York nach Berlin kommt, um nach einem verschollenen Jazzmusiker zu suchen, scheint nur einen ungefähren Anhaltspunkt davon zu geben, worauf es in diesem Buch ankommt. Denn in seinem DJ-Mix bringe Beatty zusammen, was bis dahin nicht zusammengehörte: Nazis und Schwarze, Soul und Horst Wessel und "außerdem den perfekten Beat und Vokuhila-Frisuren". Das Ganze folge einer wahnwitzigen "Hybridisierungslust", wie Knörer frohlockt, der es selbst auf die gutgelaunte Formulierung bringt, bei diesem Buch gehe es darum, Identitäten und ihre Festschreibungen "durch kühnes Mixen in einen Zustand polymorpher Rekombinationsgeilheit" zu bringen. Und dass dies von Robin Detje ohne größere Reibungsverluste aus dem Amerikanischen übersetzt wurde, grenzt für den euphorisierten Rezensenten an ein Übersetzungswunder.
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