Bücherschau der Woche
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Klappentext
Ein Buch von der großen Verwunderung über eine Zeit, die von Krise zu Krise stolpert, ohne die tieferen Ursachen dieser modernen Erdbeben zu verstehen - oder: verstehen zu wollen? Botho Strauß, der große Einzelgänger der zeitgenössischen Literatur in Deutschland, hebt in diesen Erzählungen die Religion und die Mythen, die Gegenwart als Teil der Geschichte, das Verhältnis der Geschlechter, das Unzugängliche und das Unerklärliche, das Übersehene und das Unverbundene in unterschiedlicher Beleuchtung hervor. Dieser Prosaband vereint Träumerei und strenge Zeitdiagnose und ist ein eindrucksvolles Zeugnis des Nachdenkens über gegenwärtige und kommende Krisen.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info):
Vom Aufenthalt - Der neue Essay von Botho Strauß. Mehr Informationen bei Hanser
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 29.12.2009
Botho Strauß' Prosaband "Vom Aufenthalt" sucht unmittelbar den Zwischenraum der angehaltenen Zeit in Sprache zu fassen, und wenn "böse Zungen" ihm auch Langeweile vorwerfen könnten, scheint Roman Bucheli zumindest gefesselt. Allerdings betont der Rezensent, dass ihn das Buch immer dann besonders überzeugt hat, wenn Strauß die besondere Erfahrung der Zeitdehnung in Erzählminiaturen fließen lässt. So zum Beispiel wenn Strauß die Geschichte vom Jesus dreimal verleugnenden Petrus erzählt, denn dann will sie dem begeisterten Rezensenten so taufrisch und "schwerelos" erscheinen, dass er sich wie ein Kind "aus der Zeit herausfallen" sieht. Strauß' kulturpessimistischen Auslassungen kann Bucheli dagegen wenig abgewinnen und seinen aphoristischen Sentenzen kann man als Leser zwar mit Beifall oder Ablehnung begegnen, als Sprache gewordene Zeitdehnung aber überzeugen sie ihn nicht.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 24.12.2009
Botho Strauß' neuer Roman "Vom Aufenthalt" löst bei Jürgen Berger überwiegend ratloses Kopfschütteln und Ablehnung aus. Er hat das unangenehme Gefühl, dass er hier nicht nur einem Kramen im "Zettelkasten" beiwohnt, sondern gar als lesender "Therapeut" in die Pflicht genommen werden soll, was er allerdings brüsk ablehnt. Wenn sich der Autor Gedanken über Massenphänomene wie die Freikörperkultur macht, sieht sich der Rezensent vom larmoyanten Ton und dem "Elitedenken" abgestoßen, zumal er das Geäußerte reichlich abgestanden findet. Dafür immerhin entdeckt er immer dann, wenn sich Strauß Einzelnen "empathisch" nähert, einen in sich ruhenden Erzähler von ganz anderer Qualität. Insgesamt aber kann ihn der Roman, von dessen Inhalt uns der Rezensent so gut wie nichts verrät, nicht begeistern.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.12.2009
Was ist eigentlich ekliger: die "Gegenwartsmenschen" und "Onliner", über die Botho Strauß von sehr weit oben herab mal wieder herzieht, oder die Prosa, in der er es tut? Rezensent Andreas Dorschel tut Strauß nicht den Gefallen, diese Frage so direkt zu stellen, dass Strauß ihn als durchschnittlichen Medienmann einfach abfertigen könnte. Dorschels Kritik ist virtuos und spielt ironisch mit Strauß' herrenmenschenhaft-arroganter Prosa, deren Stilvokabular Dorschel "irgendwo zwischen Offizierskasino und Bibelkreis" ansiedelt. Schade findet Dorschel das vor allem, weil er Strauß durchaus noch stupende Qualitäten als Beobachter zubilligt, die sich in einigen Kabinettstückchen in diesem Band manifestieren. Aber dummerweise scheint der Beobachter, wenn man Dorschel richtig versteht, vom hochfahrenden Autor mit seinem fertigen Begriffsinstrumentarium meist schon geknechtet.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.11.2009
Die Rezension klingt, als hätte sich der Rezensent herzlich gelangweilt. Aber Botho Strauß ist nunmal einer der Alphaautoren hierzulande, und da tut Hubert Spiegel seine Pflicht. Erst am Ende seiner Kritik, als er sagt, dass bei Strauß gefasste Resignation an die Stelle kalter Wut getreten sei, artikuliert sich auch etwas von der Stimmung des Rezensenten. Vorher schildert er die kleinen Beobachtungen Strauß', die zuweilen Romanszenen ergeben könnten, wenn der Autor sich überhaupt zu dieser Form herablassen würde. Konstatiert wird auch, dass Strauß seine üblichen Themen pflegt, die Entzauberung der Welt, die Schlechtigkeit aller übrigen Angehörigen der Mittelschicht und den "Totalausfall hetärischer Intelligenz" zwischen den Geschlechtern.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 15.10.2009
Sehr traurig und sehr dunkel findet Rezensent Ulrich Greiner dieses neue Buch von Botho Strauß, der sich ihm darin weiter denn je von uns, also den Lesern, entfernt zeigt. Wie verweht klinge seine Stimme, fast wirkt Strauß in diesem Buch auf Greiner wie der berühmte Mönch auf dem Gemälde Caspar David Friedrichs, der uns den Rücken zuwendet: "Falls er etwas sähe, was wir nicht sehen: Er könnte es uns nicht mitteilen." Wesentliche Themen des Buchs seien das Alter und die Einsamkeit. Immer wieder stößt der Kritiker auf Passagen von ungeheurer Kraft und eindringliche Prosafragmente. Trotzdem stellt er fest, dass die "Reizbarkeit" dieses Autors, der "wir die scharfsinnigen, brillanten Diagnosen zu verdanken haben", nachgelassen hat. Und wenn er dieser Schärfe in diesem jüngsten Buch doch noch einmal begegnet, dann klingt sie für ihn wie "das Echo eines fast schon verrauchten Zorns".
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