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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Walt Whitman
Grasblätter
Klappentext
Mit Abbildungen. Aus dem Englischen von Jürgen Brocan. "Er ist Amerika", sagte Ezra Pound über den Dichter Walt Whitman. In seinen "Grasblättern" besingt er den Aufbruch der USA nach dem Bürgerkrieg. Im Schmelztiegel seiner Dichtung vereint Whitman Ideen aus Kultur, Gesellschaft, Politik, Wissenschaft und Mystik seiner Zeit. Seine Gesänge sind Abbild und Vision einer modernen Nation der "Vereinigten Staaten", die Spaltungen überwinden und allen Menschen Freiheit und Gleichheit bringen soll. Der Lyriker Jürgen Brocan hat dieses zentrale Werk der amerikanischen Literatur mehr als ein Jahrhundert nach Erscheinen erstmals vollständig ins Deutsche übersetzt und mit einem Nachwort und einem ausführlichen Kommentar versehen.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info):
Grasblätter - eine Leseprobe der neuen Übersetzung bei Hanser
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.03.2010
Berauschen kann sich Rezensentin Stefana Sabin nicht an diesen "Grasblättern". Dafür scheinen ihr die Texte zu sehr dem Geist ihrer Zeit verpflichtet. Auch wenn die Identifikation des Dichters mit dem Publikum sich nicht mehr einstellen will, wie Sabin feststellen muss, so vermag die Rezensentin das Revolutionäre dieser Gedichte, thematisch und sprachästhetisch gesehen, doch noch immer nachzuvollziehen. Verantwortlich dafür, dass dies weiterhin funktioniert und der Leser die besondere Musikalität der freien Verse und das von Walt Whitman poetisch reflektierte amerikanische Idealbild lesend erfassen kann, ist für Sabin vor allem Jürgen Brocans Neuübersetzung des gesamten Werkes. Sabin anerkennt die Nähe zum Original, den eingeschlagenen Mittelweg zwischen Nüchternheit und Pathos, zwischen Modernität und Archaik im Ausdruck. Dass Brocan die schwierigen Registerwechsel und den Rhythmus des Englischen bewahrt und trotzdem zu einer "geschmeidigen" deutschen Fassung findet, bewertet sie als große übersetzerische Leistung.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 05.01.2010
Jan Wagner nimmt die nun erstmals vollständig auf Deutsch vorliegende Übersetzung von Walt Whitmans "Leaves of Grass" zum Anlass für eine große Hommage an den amerikanischen Dichter, der in seinen Augen nichts weniger als den Grundstein der amerikanischen Lyrik legte. Wagner beschwört, nachdem er einen Einblick in das unstete Leben Whitmans und in die komplexe Editionsgeschichte der "Leaves of Grass" gegeben hat, den radikalen Subjektivismus, die formale Unabhängigkeit und die demokratische Grundhaltung des Dichters. Zugleich würdigt er auch die Übersetzung ins Deutsche durch Jürgen Brocan, der sich nicht zuletzt mit dem deutschen Titel "Grasblätter" eindrucksvoll von den vorangegangenen Übersetzungen abhebt, als Großtat. An der vorliegenden Ausgabe schätzt er zudem den nicht selten aufschlussreichen Kommentar und das Aufführen später gestrichener Textteile sowie die darin aufgenommenen Essays Whitmans. Allerdings muss er sich schon wundern, dass ausgerechnet dessen programmatisches, poetologisches Vorwort zur Erstausgabe der "Grasblätter" von 1855 fehlt. Insgesamt aber lässt sich in diesem Band das "Weltgedicht" entdecken, das Whitman mit seinen "Grasblättern" erschaffen hat, wie der Rezensent preist.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.12.2009
Rezensent Heinz Schlaffer nutzt Jürgen Brocans Neuübersetzung der "Leaves of Grass", um einmal grundsätzlich Walt Whitman und seine "demokratische" Poesie zu bewundern. Dementsprechend widmet er rund neun Zehntel seiner Rezension einem Abriss über Werk und Wirkung von Whitmans Dichtung, die sich für Schlaffer in einem universellen Lobgesang äußert, auf alles, was sich in Amerika finden lässt: von den "unermesslichen Weidegründen" bis zu den Prostituierten. Auch weiß Schlaffer, dass ohne Whitman die deutsche Literatur wohl niemals "die Tradition des romantischen Volksliedtons" überwunden hätte. Im letzten Zehntel kommt Schlaffer auf die Übersetzung von Jürgen Brocan zu sprechen und bescheinigt ihr Leichtigkeit und Gelingen, gerade auch weil Whitmans freie Rhythmen wenig formale Strenge fordern. Gegen die Aufsässigkeit der "Kenner", die mäkeln, dass man Lyrik gar nicht übersetzen könne, kontert Schlaffer mit einem Lob des "Fremden und Neuen" jeder Übersetzung, die in diesem Fall aus Whitmans Versen ein bedeutendes Werk deutscher Literatur gemacht hat.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.10.2009
Der hier rezensierende Autor und Dichter Mirko Bonne ist hingerissen von dieser neuen und erstmals die gesamte "Deathbed Edition" von Walt Whitmans "Grasblätter" umfassenden Übersetzung durch Jürgen Brocan. Den Einfluss der zwischen Prosa und Lyrik changierenden Textsammlung auf amerikanische Autoren - von Cummings und Eliot bis Pound und Williams - hält er für immens. Großartig erscheint ihm Brocans empathischer, die verschiedenen bei Whitman zusammenkommenden sprachlichen Formen (Arie, Gebet, Glosse, Hymne usw) nachvollziehender Zugang, der in Bonnes Vergleich mit früheren Übertragungen deutlich gewinnt. Außerdem freut sich Bonne über einen "profunden" Anmerkungsapparat. Dass die Originaltexte bei jetzt schon 860 Seiten keinen Platz fanden, kann er verstehen. Weniger allerdings das Fehlen eines alphabetischen Anfangszeilenverzeichnisses.
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