Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Klappentext
Aus dem Französischen von Nathalie Mälzer-Semlinger. Ein kleiner Ort im Süden Frankreichs. Fünfter Stock. Eine sehr junge Frau mit zwei Kindern. Ein alltägliches, kein gewöhnliches Leben. Emmanuelle Pagano erzählt die Geschichte einer unerwiderten, unerwiderbaren Liebe.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.01.2010
Weg frei für diese Autorin. Mit dieser "aufmerksamen" Übersetzung, mutmaßt Joseph Hanimann, steht dem Erfolg der Französin Emmanuelle Pagano auch bei uns nichts mehr im Weg. Der Roman ist eine haarige Angelegenheit, wie Hanimann uns erklärt, beinahe obsessiv ist der Wunsch der Protagonistin, fremde Haare zu berühren. Allerdings geht es im Wesentlichen um etwas anderes. Was Pagano so gestrafft wie scharf und detailliert in Szene setzt, ist laut Hanimann auch keine Sozialstudie über alleinerziehende Mütter, wie sich vielleicht vermuten ließe. Zu nah sei die Autorin am Alltagsgeschehen ihrer Figuren, um daraus Allgemeines abzuleiten und zu normal wird das, was sie erzählt, unter ihrer Hand. Auch wenn es um das Leben einer Minderjährigen mit ihrem behinderten Kind geht.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.10.2009
Rezensentin Elisabeth Raether scheint beeindruckt, aber auch erschüttert von der Beiläufigkeit und Teilnahmslosigkeit, mit der Emmanuelle Pagano das verkorkste Leben ihrer Protagonistin, einer vereinsamten, aus der Bahn geworfenen Mutter, schildert. Nach Meinung der Rezensentin könnte man zwar versuchen, "dem Buch den ein oder anderen Diskurs anzuhängen", doch würde es aufgrund der "kühlen Erzählhaltung" wohl scheitern. Auch dass das Buch nach Aussage seiner Autorin von einer realen Person inspiriert ist, wird angesichts der mangelnden Empörung, die in der Geschichte transportiert wird, immer irrelevanter. Lesenswert ist die Geschichte nach Raethers Meinung trotzdem, vor allem aus atmosphärischen Gründen und wegen Paganos Fähigkeit, "mit ein paar Sätzen eine Stimmung entstehen zu lassen."
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 13.10.2009
Emmanuelle Paganos Roman über die Liebe einer Mutter aus einfachen Verhältnissen zu ihrem schwerstbehinderten Kind hat Rezensent Peter Urban-Halle imponiert. Das Buch zeigt Momente aus einem "deklassierten Leben", denen er geradezu gebannt gefolgt ist. Dabei hebt er hervor, dass die Autorin mit Betroffenheit oder Verklärung rein gar nichts am Hut hat. Die Wahrnehmungen und Reflexionen der Mutter, die der Bildung eher fern steht und deren Leben eher stumpf zu verlaufen scheint, wirken auf ihn eindringlich und präzise, machen für ihn das Wesen des Buchs aus. Ja, er sieht in ihr eine wahre Dichterin, wenn sie ihren beiden Kindern selbsterfundene Geschichten erzählt. Mit großem Lob bedenkt Urban-Halle die Sprache der Autorin: wie schon bei ihrem ersten Roman herrscht für ihn auch in der "Haarschublade" ein "stilistisch reiner, einfacher und machtvoller Ton, der von einem Naturtalent zu stammen scheint".
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