Bücherschau der Woche
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Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Mit vier Äpfeln fängt alles an. Ein Mann, der weniger zu tun hat, als ihm lieb ist, erlebt an der Obst- und Gemüsewaage seines Supermarkts einen magischen Moment: die grüne Leuchtanzeige zeigt 1-0-0-0. Vier Äpfel, die zusammen genau tausend Gramm wiegen - er ist, er weiß selbst nicht genau wieso, gerührt, klebt das Etikett mit der Strichcodezeichnung vorsichtig auf die Tüte und schiebt seinen Wagen durch eine ihm plötzlich fremd gewordene Welt. Seine Gedanken schweifen ab in eine Zeit, als man noch in kleineren Läden andere Dinge kaufte, zu Frühergerüchen , zum Konsumverhalten überhaupt, und er erinnert sich an L., die Frau, die ihn verlassen hat. "Vier Äpfel" erzählt von tieftraurigen Produkten und ihren Konsumenten, erzählt die Geschichte einer alten Liebe, einer Gegenwart, die immer schon vergangen ist.
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 10.12.2009
Federleicht geschrieben und dennoch komplex gedacht findet Hubert Winkels diesen "essayistischen Roman", den er als "gelungenen Tagtraum über Warendesign und Vanitas" beschreibt. David Wagner führt darin, wie wir lesen, in das "gut durchgearbeitete Gelände" eines ökologisch orientierten Berliner Supermarkts, wo er seinen Ich-Erzähler gleich zu Beginn die titelgebenden vier Äpfel in die Waage werfen lasse. Das präzise Gewicht des Obstes sei sozusagen Ausgangspunkt für reflektierendes Wandeln zwischen den Supermarktregalen, die Winkels zufolge durchsetzt auch von melancholischen biografischen Rückblenden des Erzählers sind. Klug und kenntnisreich würden außerdem die unterschiedlichsten Gegenstände angepriesen und mit verschiedenen emotionalen Gemengelagen assoziiert. Höchst fasziniert betritt der Kritiker über den Weg der Dinge auch Zwischenreiche von Leben und Tod, Sehnsucht und Liebe und ist schließlich beinahe trunken von der paradoxen Balance des Buchs zwischen Trance und Illusionslosigkeit.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 27.10.2009
Tut sich Rolf-Bernhard Essig zunächst vielleicht noch ein bisschen schwer mit David Wagners neuem Roman "Vier Äpfel", weil er manches sprachlich allzu angestrengt findet, lässt er sich schließlich doch von der gewagten Konstruktion, dem Humor und der erhellenden Wirkung überzeugen. Der Autor schickt seinen melancholischen Helden, der seiner Exfrau hinterhertrauert und der sich durch tiefe Zweifel an der Welt und an sich selbst auszeichnet, nämlich auf Shoppingtour durch den Supermarkt. In Betrachtung von Tiefkühlpizza und Fischtheke gibt sich der Ich-Erzähler allerlei Assoziationen, philosophischen Gedanken, Tagträumen und Lebenseinsichten hin, die in ungeordneten kurzen Passagen, grundiert von Fußnoten, dargeboten werden, erklärt der Rezensent. Bis der Protagonist schließlich die Kasse erreicht, hat man viel über den "modernen Menschen, seine Lebenswelt und damit über sich selbst" erfahren, so der Rezensent höchst zufrieden.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 14.10.2009
Rezensent Christoph Schröder weiß zwar nicht so recht, wo und wie er diesen neuen Roman von David Wagner einordnen soll - "ob man das unbedingt Roman nennen muss oder vielleicht eher ein Feuilleton". Doch das ist für das Vergnügen, das er bei der Lektüre empfindet, eigentlich auch bedeutungslos. Schröder hält den Protagonisten und Ich-Erzähler, dessen Gedankengängen im Supermarkt der Leser folgen darf, für ein "großes Kind". Dementsprechend hat Wagners Roman ein hohes "Nostalgiepotenzial". Gelegentlich stört sich Schröder zwar daran, dass Wagner bisweilen "profanste Erkenntnisse ins Existenzielle" hebt. Im Großen und Ganzen funktioniert Wagners "verblüffend einfache Versuchsanordnung" aber, versichert der zufriedene Rezensent.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.10.2009
Als Prosaskizzensammlung hätte das Buch den Rezensenten Martin Halter überzeugt. Immerhin kann er mit David Wagner die Abgründe von Kühlvitrinen und Lebensmittelregalen als Spiegel des liebeskranken Erzählerichs erforschen. Die von Wagner als Gang durch den Supermarkt getarnte Schule der Empfindsamkeit (Proust grüßt von der Fleischtheke!) mit impressionistischen Glossen, Gedanken, Fußnoten und warenästhetischen Reflexionen findet der Rezensent eigentlich ganz hübsch. Doch das Buch nennt sich Roman. Dafür, meint Halter, ist es dann doch ein bisschen mager. Eine Handlung oder Charaktere kann er nämlich nicht entdecken.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.10.2009
Die Proust-Bezüge in diesem Buch nimmt Rezensent Helmut Böttiger nicht sehr ernst. Dafür aber die Warenphänomenologie, die ihn an Roland Barthes denken lässt. David Wagners kleiner, einen Supermarktbesuch lang dauernder Roman, so erläutert Böttiger einigermaßen erstaunt, stemmt bei näherem Hinschauen auch noch das ein oder andere Schwergewicht. Etwa eine Archäologie des Lebens anhand des Supermarktes (Fußnoten inklusive). Oder eine Charakterologie der Leberwurstkäuferinnen. Oder ein Panorama der altbundesdeutschen Geschichte. Oder eine alte Liebesgeschichte. Dabei erscheint Böttiger zunächst alles so belanglos, alltäglich und ausschnitthaft. Dass sich vermittels der assoziierenden und kommentierenden Anleitung des shoppenden Helden dahinter eine ganze Welt auftut, findet der Rezensent eigentlich famos.
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