Bücherschau der Woche
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Klappentext
Mit einem Erdbeben fängt alles an, am 1. September 1923: Während ein japanischer Polizist im brennenden Tokio um sein Leben rennt, bringt Mary Frimm in der Mojave-Wüste ihren Sohn Edison zur Welt. Fast zur selben Zeit wird, rund 10.000 Kilometer weiter westlich, Siegfried geboren, dessen Vater noch am Abend bei einer Schießerei ums Leben kommt. Ein Erdbeben, zwei Neugeborene und ein Jahrzehnte umspannender Kriminalfall: Norbert Zähringer erzählt von der Ironie der Geschichte, ihrem Motor, dem Zufall, von großen Katastrophen und kleinen Dramen.
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.10.2009
Mit Vergnügen, das jedoch nicht immer ungetrübt war, hat Rezensent Helmut Böttiger diesen Roman gelesen, der seinen Informationen zufolge nicht weniger als das gesamte 20. Jahrhundert umfasst. Spannend geschrieben wie ein Drehbuch, beginnt er schon wie ein klassischer Hollywoodfilm, lesen wir: ein Achtzigjähriger, soeben entlassener Strafgefangener will sich von einer kalifornischen Brücke stürzen. Im Verlauf des Roman nun wird seine gesamte Lebensgeschichte "zusammengeschnippselt", referiert Böttiger: von den Glanzzeiten Hollywoods, in denen der Held offenbar Komparsenrollen übernimmt, über das, reale, Nazideutschland bis in das Berlin in der Zeit des Mauerfalls. Mit filmischen Mitteln wird das erzählt und Gegenwartsliteratur "augenzwinkernd zitiert", so der angeregte Rezensent. Aber er hätte sich doch über die eine oder andere psychologische Vertiefung oder ein gelegentliches Aufblitzen eines Innenlebens der Figuren gefreut. Man hat den Eindruck, Böttiger hat sich über weite Strecken amüsiert, aber wurde am Ende doch enttäuscht.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 28.09.2009
Christoph Schröder weiß nicht recht, was Norbert Zähringer mit seinem neuen Roman schreiben wollte. Der Anfang gefällt ihm noch recht gut: Die Geschichten von Edison Frimm, dessen Mutter Mitglied einer esoterischen Sekte ist, und Siegfried Heinze, Sohn eines eisernen Nazis, spinnen sich chaotisch fort, werden übereinandergelegt und bilden für Schröder gar so etwas wie ein "pynchonhaftes Vernetzungssystem", das er sehr unterhaltsam findet. Mit steigender Seitenzahl aber vergeht Rezensent Schröder das Lachen und spätestens bei der Beschreibung der Ereignisse des Zweiten Weltkriegs weiß er nicht mehr, ob er es mit einer misslungenen Satire oder ernsthaftem Pathos zu tun hat. Das kitschige Ende des Romans liest Schröder als seichte Version des Films "Der Untergang" . Letztlich ist er zumindest zufrieden, dass Zähringer noch alle Erzählstränge miteinander verbindet und damit seiner Grundidee des Verknüpfens treu bleibt.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.09.2009
Norbert Zähringers Roman hat den Rezensenten Burkhard Müller mächtig angestrengt, ohne ihn für seine Mühen zu belohnen, und das scheint er dem Autor ein wenig übel zu nehmen. Während ihm das "Organigramm" des Vorsatzblatts schon eine dunkle Ahnung von den Lektüreanstrengungen vermittelt, so löst der Roman mit seinen vielen durch "Vorsehungen" verbundenen Figuren und seinen zahlreichen Handlungssträngen seine Befürchtungen nur zu treffend ein, wie er feststellen muss. Im Zentrum des in seiner Komplexität an Thomas Pynchon erinnernden Romangeschehens stehen der amerikanische Schauspieler Edison Frimm, der Berliner Nazisohn Siggi Heinze, ein das große Erdbeben von Japan überlebender Zen-Gärtner und ein mysteriöser Serienmörder, erklärt Müller. Er bemüht sich redlich, einen Einblick in die verwirrende Handlungs- und Beziehungsstruktur des Romans zu geben und muss doch feststellen, dass es ihm schwerfällt, echtes Interesse für die Figuren aufzubringen. Weder die Romankonstruktion noch die Figurenzeichnung überzeugt ihn, und die Dialoge lassen ihn gar an eine hölzerne "Übersetzung aus dem Amerikanischen" denken. Zähringer hat in seinem Versuch, ein Porträt des letzten Jahrhunderts auf drei Kontinenten zu zeichnen, lediglich ein "gigantisches Stück Beziehungswahn, Beziehungskitsch" fabriziert, kritisiert der Rezensent streng. Dass es darin auch mal zwei Seiten einer tatsächlich eindrücklichen Episode gibt, kann ihn für 500 Seiten Mühsal nicht entschädigen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.07.2009
Als großes Vorbild schwebt über diesem Roman, der nicht weniger als ein Jahrhundert in Erzählform packt, der große Thomas Pynchon. Meint Richard Kämmerlings, dessen Rezension dieses Buchs den Eindruck vermittelt, dass Norbert Zähringer sich mit dem Versuch, in dieser Liga mitzuspielen, alles andere als blamiert. Die Handlung in "Einer von vielen" scheint, um das Mindeste zu sagen, verwickelt. Dies aber, versichert Kämmerlings, auf überaus gekonnt verwobene Weise. Es geht um einen Mann, den es quasi zweimal gibt, ja, überhaupt geht es insgesamt in Theorie und auch Praxis um das Zweimalgeben der Menschen und Dinge und die Welt insgesamt als einen Echoraum. "Klug und unterhaltsam", lehrreich und virtuos ist, so der Rezensent, was bei diesem Weltvernetzungsversuch durch Erzählen herauskommt.
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