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- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Matthias Politycki
Jenseitsnovelle
Klappentext
Hinrich Schepp ist unter die Sehenden geraten. Nach Jahrzehnten starker Kurzsichtigkeit möchte er den Frauen und ihrer grandioser Unbegreiflichkeit endlich auf den Grund kommen. Umso mehr, als er in seiner Stammkneipe eine verführerische Schönheit an der Bar beobachtet, die - für einen Schepp entsetzlich verwerflich und glückverheißend zugleich - von ihrer Begleiterin erst geküsst, dann sogar in den Hals gebissen wird. Sein Leben gerät endgültig in Schieflage, als ebenjene Frau wenig später wieder in seiner Kneipe auftaucht - als Bedienung. Aber was hat das alles mit den Notizen seiner Frau Doro zu tun, die er eines Morgens auf dem Schreibtisch findet? Und was mit dem dunklen kalten See, in den die Frischverstorbenen laut Doro alle hineinmüssen, um darin ein zweites Mal zu sterben? Matthias Politycki erzählt vom Glück und Unglück der Liebe und wie der Tod all ihre Gewissheiten zunichtemachen kann.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.11.2009
Ein gewaltiges Spiel der Gegensätze hat sich Rezensentin Jutta Person mit Matthias Polityckis "Jenseitsnovelle" gefallen lassen. Denn die Geschichte um den Gelehrten des Altchinesischen und seine Ehe beziehungsweise seine Affäre knöpft sich spielerisch allerlei fragwürdige Binaritäten vor: Mann/Frau, Fiktionales/Faktisches, Zeichen/Bedeutungen. Auf den ersten Blick mag diese Lektüre von einer typischen Altherrenfantasie überdeckt sein, wendet Person ein, womit sie auf das beschriebene Verhältnis des Akademikers zu einer jungen, polnischen Kellnerin anspielt, die sie auch an Texte anderer älterer Literaten wie Philip Roth und Martin Walser erinnert. Für "vorschriftsmäßig" befindet sie den Einstieg ins Buch: Die Ehefrau ist tot, das unerhörte Ereignis da. Und da die Wortspiele nicht mehr so penetrant sind wie in Polityckis früheren Büchern, scheint Person doch offensichtlich ihre Freude gehabt zu haben.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.10.2009
Nein, gefallen hat Rezensent Richard Kämmerlings die "Jenseitsnovelle" wohl nicht. Denn in dieser Veröffentlichung zeigt sich für ihn wieder einmal das, wie er meint, grundsätzliche Problem Polityckis: Als Erzähler ist er leider ein Dauerironiker. Und so geht es in dieser Novelle denn auch weniger um glaubwürdige Figuren als vielmehr um die Möglichkeit, nette Herrenwitze vom Stapel lassen zu können, wie Kämmerlings boshaft analysiert. Im Grunde spiele es daher auch keine Rolle, dass die Gattin, neben sich ein korrigiertes Manuskript über die Liebesaffäre ihres Mannes, tot überm Schreibtisch liegt und Gatte Hinrich Schepp beginnt, das Manuskript zu deuten - Kämmerlings kann sie nicht ernst nehmen. Immerhin aber ist die Geschichte "raffiniert" zusammengebaut, lobt der Rezensent, freilich nicht ohne die Konstruktion der Novelle bei der zweiten Erwähnung wiederum "arg schlaumeierisch" zu nennen. Auch am Protagonisten, einem Privatdozenten der Sinologie, Mitte sechzig, lässt Kämmerlings schließlich kein gutes Haar. Er findet ihn schlicht zu verklemmt gezeichnet.
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