Wulf Kirstens Essays und Reden führen über die lange Brücke, die der Autor überschritten hat, um Dichter zu werden. Er erzählt von den Begegnungen und Begehungen, Lektüren und Landschaften, die sein Schaffen geprägt haben Landschaften im Gedicht und Landschaften, die Dichter hervorgebracht haben. Kirsten durchwandert sie als Leser von Sprachwelten und als Sammler von Lebensspuren, etwa des Expressionisten Jakob van Hoddis, der an einem rauhen Wintertag durch Thüringen irrte, bevor er den Rest seines Lebens in Pflegeanstalten verbrachte. Weitere Wege führen zu Annette von Droste-Hülshoff und Oskar Maria Graf, nach Weimar, Dresden und in die Pfalz. So versammelt Wulf Kirsten in seiner Anthologie die unterschiedlichsten Literaturgeschichten des 19. und 20. Jahrhunderts. Neben bekannten Größen stehen Dichterwerke und Dichterviten, die es für den Leser textwandernd zu entdecken gilt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 21.09.2009
Für Burkhard Müller ist der Autor ein Konservativer der besonderen Sorte. Wulf Kirstens in diesem Band versammelte Essays und Reden der letzten 15 Jahre, die das "sperrige, präzise beschreibende lyrisches Werk" des Autors ergänzen, ergeben laut Müller die "eindrückliche Physiognomie" eines geselligen wie eigenwilligen Menschen. Dass Kirsten sein Leben ausschließlich der Landschaft (um Meißen) und der Literatur widmete, wird in den Texten für ihn deutlich. So begrenzt und, wenn Kirsten Namenslisten von ostdeutschen Dichtern erstellt, langatmig ihm die Texte mitunter erscheinen, so sehr ist dem Rezensenten auch klar, dass hier einer nicht aus bloßer Akribie katalogisiert. Für Kirsten, weiß Müller, bedeuteten die Erinnerung an einen begrenzten Ort und das Festhalten von "Lebensspuren verschollener Autoren", immer auch Widerstand gegen die Verhältnisse in der DDR. Nur in diesem Sinn dürfe man Kirsten einen Konservativen nennen.
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