Den "Feind Nummer eins" der neapolitanischen Camorra hat Roberto Saviano seinen Freund Raffaele Cantone genannt, der durch seine Prozesse gegen die großen Clans zur Symbolfigur des Kampfes gegen das organisierte Verbrechen geworden ist. Cantones aufsehenerregende Autobiografie liefert zum ersten Mal eine schonungslose Innensicht aus der Perspektive der Ermittler. Wie Saviano ist Cantone mitten im Land der Camorra aufgewachsen. In dem kleinen Ort Gugliano bei Neapel sind Morde alltäglich, die Aufstiegschancen gering.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.09.2009
Gleich zwei Bücher nehmen es derzeit mit der Mafia auf, und Henning Klüver findet sie beide wichtig und notwendig, "weil sie Werte setzen und Klarheit schaffen, wo andere lieber im Nebel einer zunehmenden Begriffsverwirrung ihren Geschäften nachgehen". Während er allerdings Andrea Camilleris "M wie Mafia" nicht gänzlich gelungen findet, hat ihn das Buch "Allein für die Gerechtigkeit" von Raffaele Cantone sehr beeindruckt. Der frühere Antimafia-Staatsanwalt sei von einem unglaublichen Gerechtigkeitssinn beseelt, der nie ins Missionarische umschlage, versichert Klüver. Cantone erzähle dabei weniger von den spektakulären Fällen als vielmehr von den alltäglichen Verbrechen, den Schutzgelderpressungen und den Morden, aber auch von den Verleumdungen, denen er selbst zum Opfer fiel. Und auch wenn der inzwischen am Kassationsgericht in Rom arbeitende Cantone nicht Camilleris sprachliches Geschick besitze, so sei ihm in Zusammenarbeit mit der Autorin Helena Janeczek doch ein sehr aufrüttelndes Buch "voller Wärme" gelungen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 04.09.2009
Die "betuliche Sprache" trübt das Lektüreerlebnis des Rezensenten ein wenig. Ansonsten aber ragt das Buch des Juristen Raffaele Cantone für Rudolf Walther aus der Flut der Mafia-Bücher heraus. Walther lobt die Sachlichkeit, mit der Cantone den Leser über die mühsame Arbeit eines Staatsanwalts in der Antimafia-Behörde in Caserta informiert, über die Mängel der Kronzeugenregelung, die Verschleppung von Verfahren und die Notwendigkeit der Zusammenarbeit von Behörden und Polizei. Dass dabei auch persönliche Belastungen und Erfahrungen zur Sprache kommen, scheint Walther in Ordnung zu finden und jedenfalls weitaus angenehmer, als die sonst für das Genre übliche mit Spekulationen gespickte reißerische Darstellung.
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