Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Kurz nach seinem gewaltsamen Tod wurde Horst Wessel von den Nationalsozialisten zum »Blutzeugen der Bewegung« erklärt und das von ihm gedichtete »Horst-Wessel-Lied« zur offiziellen Parteihymne erhoben. Der Historiker Daniel Siemens erzählt nun die ganze Geschichte des Todes und der Verklärung Horst Wessels, die nicht mit dem Untergang des »Dritten Reichs« endete, sondern bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hineinreicht. Auf der Basis bislang unberücksichtigter Quellen rekonstruiert der Historiker Daniel Siemens die Hintergründe der Ermordung Horst Wessels, er erläutert wie die Nationalsozialisten ihn zur politischen Heldengestalt stilisierten, und untersucht die Rachemorde, die von SA, Gestapo und Justiz nach 1933 insbesondere an Kommunisten verübt wurden. Schließlich schildert Siemens, wie unterschiedlich man nach 1945 in der Bundesrepublik und der DDR mit diesem Fall umging, und er zeigt auf, warum eine Bestrafung der nationalsozialistischen Verbrechen rund um den Mordfall Wessel scheiterte.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info):
Daniel Siemens: Horst Wessel - Leseprobe beim Siedler Verlag
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.10.2009
Nicht weniger als "ein Meisterstück historischer Aufklärungsarbeit" ist Daniel Siemens mit seiner Studie über den "politischen Mythos um Horst Wessel" gelungen, bilanziert Rezensent Christoph Jahr. Dies beeindruckt ihn umso mehr, da das Leben des SA-Mannes protestantisch-bürgerlicher Herkunft notorisch schwierig zu recherchieren ist, weil er bereits mit zweiundzwanzig Jahren erschossen wurde und deswegen relativ wenige Spuren hinterließ. Zudem sei Wessels Leben dicht von "Mythen und Gegenmythen umrankt", über die sich Daniel Siemens mit großer Akribie und Energie hinweggesetzt habe. Löblich findet Christoph Jahr auch, dass der Autor die Grenzen dessen, was er leisten konnte, erkannt hat und benennt - und deswegen einige Fragen offen bleiben müssen. Beeindruckt hat den Rezensenten neben der Analyse der Mythisierung, die Wessel nach seinem Tod von seinen NS-Parteigenossen zuteil wurde, der tiefe Einblick, den die Studie in das protestantisch-bürgerliche Herkunftsmilieu Wessels ermöglicht. In welchem Maße dieses sich als "guter Nährboden für den Nationalsozialismus" erwies, lässt Christoph Jahr "schaudern".
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.09.2009
Hohe Anerkennung zollt Rezensent Johannes Willms dieser Studie über Horst Wessel, die Daniel Siemens vorgelegt hat. Zwar bringt die Arbeit über den nach seinem Tod zum Märtyrer stilisierten SA-Mann, dessen Lied "Die Fahne hoch" die Hymne der NSDAP wurde, für ihn keine Revision des schon Bekannten. Aber das Buch liefert seines Erachtens eine Fülle von Zusammenhängen und Hintergründen, die Wessel als "phänotypischen Nazi" ausweisen. Instruktiv scheinen ihm die Ausführungen über Wessels Weg in die NSDAP und die SA, seine Rolle als SA-Chef des Bezirks Friedrichshain und seine Schalmeien-Kapelle, die bei SA-Umzügen aufspielte. Siemens zeigt für ihn zudem überzeugend, wie besonders die protestantische Kirche für den Horst-Wessel-Mythos anfällig war und den Pfarrerssohn geradezu als Heiligen verehrte. Überhaupt scheint Willms das Buch auch mentalitätsgeschichtlich höchst ertragreich.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 27.08.2009
Spannend, zuverlässig und dringend notwendig findet Rezensent Manfred Gailus diese erste echte historische Aufarbeitung des Horst-Wessel-Stoffes - also der Geschichte des 1930 von seinen politischen Gegnern getöteten Rechtsextremisten Horst Wessel. Und zwar schafft aus Sicht des Rezensenten diese Arbeit des Bielefelder Historikers Daniel Siemens nicht nur Aufklärung über die Biografie die 22-jährigen Berliner Pfarrersohns, SA-Führers und Dichters der nach ihm benannten Nazi-Hymne, sondern über den gesamten Wessel-Stoff samt der "skurrilen Ausprägungen des NS-Heldenmythos'". Erstmals werde auch die Spur seiner Angehörigen bis in die Gegenwart verfolgt.
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