Aus dem Russischen von Hans-Günter Hilbert, Rainer Grübel, Alexander Haardt und Ulrich Schmid. Diese Frühschrift des fast schon klassischen russischen Kulturphilosophen Michail M. Bachtin, auf den so wichtige literaturtheoretische Konzepte wie Dialogizität, Polyphonie und Karnevalismus zurückgehen, ist der Schlüssel zu seinem gesamten Werk. Ihr Gegenstand ist ein bislang kaum untersuchtes Thema der Kunst- und Literaturwissenschaft: das Verhältnis zwischen dem Künstler beziehungsweise Verfasser und der Hauptfigur - dem Helden - eines Werkes. Anhand dieses Verhältnisses erörtert der erst ein halbes Jahrhundert nach seiner Entstehung in russischer Sprache veröffentlichte Essay die philosophischen und kulturellen Voraussetzungen der Beziehung zwischen dem Ich und einem von ihm wahrgenommenen Anderen. Der Band enthält eine Einleitung, einen ausführlichen Kommentar sowie ein Nachwort der Herausgeber.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 16.07.2009
Felix Philipp Ingold würdigt den 1975 gestorbenen russischen Literaturwissenschaftler Michail M. Bachtin als bis heute wichtigen und einflussreichen Forscher auf dem Gebiet der Literatur und Literaturtheorie. Deshalb zeigt er freudig die nun erstmals ins Deutsche übersetzte frühe Arbeit "Autor und Held in der ästhetischen Tätigkeit", an. Dabei handelt es sich um ein fragmentarisches Konglomerat von zwischen 1923 und 1924 entstandenen Texten, die sich der Frage vom Verhältnis zwischen Autor und Held in der Literatur annehmen, lässt der Rezensent wissen. Bis dahin habe sich kein Autor so ausführlich mit dem Problem befasst, und Bachtin nehme im Zuge dessen auch auktoriales Erzählen und autobiografische Literatur in den Blick, so Ingold interessiert. Der Autor legt nicht nur dar, inwieweit dieser Einfluss auf die von ihm geschaffenen Figuren hat, er zeigt zudem, wie die Kunstfiguren auch den Autor selbst nach dessen Tod "gegenwärtig halten", erklärt der Rezensent. Bachtins Bevorzugung des Inhalts gegenüber der Form allerdings und seine weitgehende Vernachlässigung der Dichtung bei seinen Darlegungen muss dem Rezensenten als Lyriker natürlich als "defizitär" auffallen.
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