Svealena Kutschke

Etwas Kleines gut versiegeln

Roman
Cover: Etwas Kleines gut versiegeln
Wallstein Verlag, Göttingen 2009
ISBN 9783835304796
Gebunden, 294 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

"Ist das Leben ein seltsames Höhlensystem?", fragt sich Lisa, als sie ihr Fotografiestudium abbricht, auf einen Brückenbogen klettert und die Kamera auf die Bahngleise wirft. Australien ist ihr gerade weit genug. Sie geht nach Sydney, wo sie bei Marc wohnt, dem fürsorglichen Ex-Freund ihres Bruders, und sich ins rauschende Leben stürzt. Atemlos sucht sie neue Bekanntschaften und wirft sich zwischen die schillernden Nachtgestalten in der Oxford Street. Aber Fotos bleiben auch in Australien wichtig für sie. Nicht nur, weil Lisa sechs unentwickelte Filmrollen mitgenommen hat, auf denen jemand zu sehen ist, der ihr einmal viel bedeutete und, auf verlorene Weise, immer noch bedeutet. Sondern auch, weil sie auf der Straße ein einzelnes Foto findet, auf dem sie selbst in einer ihr vollkommen unbekannten Umgebung zu sehen ist.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.09.2009

Arme Sarah Elsing! Ganz erschöpft ist die Rezensentin am Ende der Lektüre. Zu viele Metaphern, zu viele dadaistische Wortschöpfungen, zu viele bedeutsame Bilder und zu viel Gendertheorie. Dabei traut sie der effektgeübten Open-mike-Gewinnerin Svealana Kutschke durchaus einiges zu. Theoriefest sei sie, formell frisch und schnell und formulierungssicher. Und der Anfang der Geschichte eines Selbstfindungstrips nach Australien hat Elsing auch gut gefallen. Wie in den Arbeiten von Fischli/Weiss, erklärt sie, sei es immer absurder zugegangen. Doch anders als bei dem Schweizer Künstlerduo konnte die Rezensentin die Verwirrung nicht richtig genießen. Dafür, so Elsing, fehle der Autorin die Lust am Sinnlosen, nehme Kutschke ihren Text einfach zu ernst.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 28.05.2009

Svealena Kutschkes Debütroman um die gescheiterte Fotografiestudentin Lisa, die wegen schweren Liebeskummers nach Sydney entflieht und dort tief in den "Geschlechter-, Großstadt- und Identitätsdschungel" gerät, hat Anja Hirsch durch seinen überbordenden "Expressionismus" vor allem angestrengt, wie es scheint. Die 1977 geborene Autorin fährt derart schwere Geschütze auf, wenn es darum geht, die Realität ihrer Heldin in lebensprallen Bildern und Vergleichen zu fassen, das so manche durchaus gelungene Metapher einfach untergeht, wie die Rezensentin feststellen muss. Lisa streife übrigens mit einem Büchlein mit den unbeantworteten Fragen des Künstlerduos Fischli und Weiss in der Tasche durch die australische Großstadt, die Lisas Streifzügen "ironischen Tiefsinn" verliehen. Hirsch kann nur vermuten, dass es Kutschke gerade um diese Schwerpunktlosigkeit geht, die ihre Heldin orientierungslos durch die rätselhafte und "verwackelte" Wirklichkeit irren lässt, aber so richtig begeistert hat sie das offensichtlich nicht.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.05.2009

Die Geschichte als Arabeske? Jutta Person kommt es so vor, als ob Svealena Kutschkes Debütroman jeden Augenblick vor Metaphern platzen müsste. Dabei ist das Schrille und Plüschige der Selbstfindungsgeschichte um die 26-jährige Protagonistin für Person durchaus okay, die mit Künstlerzitaten gewürzte "Gendershow" in den Schwulenbars von Sydney sogar poetisch. Wenn es allzu verspielt wird und "Die wunderbare Welt der Amelie" aufscheint, wird Person allerdings skeptisch. Und fühlt sich bald erdrückt von der Last "preziöser Bilder".

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