Die Studie untersucht das suizidale Denken aus kulturwissenschaftlicher Perspektive und mündet in der heutigen Kontroverse um Beihilfe zur Selbsttötung.Um das humane Privileg der Selbsttötung entbrennt in jüngster Zeit erneut eine vielstimmige Diskussion. Die ethische Kernfrage, ob das suizidale Denken wirklich autonom erfolgen kann und ob die Mediziner in Grenzsituationen des Lebens Beihilfe zur Selbsttötung leisten dürfen, verfolgt die transdisziplinär angelegte Studie: zuerst an klassischen Texten der Philosophie, anschließend anhand der soziologischen und psychiatrischen Suizidforschung, wie sie um 1900 vor allem von Emile Durkheim initiiert und Karl Jaspers philosophisch diskutiert wurde. Außergewöhnliche Einblicke in die innere Einstellung suizidaler Menschen ermöglichen die fiktionalen und autobiografischen Texte Ingeborg Bachmanns, Uwe Johnsons, Wilhelm Kamlahs und besonders Jean Amerys.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.04.2009
Beeindruckt zeigt sich Michael Pawlik von Matthias Bormuths Studie über suizidales Denken. In seiner Besprechung geht er vor allem auf die Ausführungen des Autors zu den Themen Suizid und Sterbehilfe ein, die kontrovers diskutiert werden. Er konstatiert bei diesen Diskussionen einen "hohen Ideologisierungsgrad", von dem bei Bormuth glücklicherweise nichts zu spüren sei. Vielmehr schätzt Pawlik die differenzierte und umsichtige Argumentation des Autors sowie seine Kritik einer Stilisierung der Selbststötung als Ausdruck von Freiheit. Und er lobt die von Bormuth in den Vordergrund gerückten Tugenden wie Takt, Hilfsbereitschaft, aber auch die Bereitschaft, "jemanden, der ernsthaft zum Gehen entschlossen ist, nicht zurückzuhalten".
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