Bücherschau der Woche
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Von den zahllosen Lebenden und Toten, die Wien bevölkern, hebt Thomas Stangl in seinem dritten Roman zwei Personen heraus: Emilia, 17, die wir im Sommer 1937 kennenlernen, am Vorabend der historischen Katastrophe, und Andreas, den Pubertierenden, der vierzig Jahre später, Ende der 70er Jahre, wie Emilia allein mit seiner Großmutter lebt und ebenfalls in eine - private? politische? - Katastrophe gerät. Geschichte ist nicht nur das, was sich schon ereignet hat, "Geschichte heißt, das kommt erst", schreibt Thomas Stangl.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 17.07.2009
Rezensentin Sibylle Cramer ist offensichtlich sehr fasziniert von diesem neuen, inzwischen dritten Roman Thomas Stangls und bezeichnet den Autor als würdigen Erben von Thomas Bernhard und Robert Musil - auch wenn er einige Prämissen des Letzteren revidiert hat. Beispielsweise wirkt der "k.u.k.-Hintergrund" der Erzählung "nicht mehr liebenswert altväterlich" wie bei Musil, sondern "gewalttätig". Cramer ist begeistert, wie Stangl den Leser durch sein "radikal subjektives erzählerisches Verfahren" am Bewusstseinsstrom seiner Figuren teilhaben lässt und eine vielschichtige Wahrnehmung der Realität entwirft. Das Buch ist ihrer Meinung nach weniger "Geschichtsroman" als "zeitkritischer Roman", der den gesellschaftlichen Status quo vor der Katastrophe untersucht. Cramer findet den Roman schlichtweg "grandios".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.06.2009
Einen "ebenso faszinierenden wie anspruchsvollen Geschichts- und Zeitroman erblickt Oliver Pfohlmann in Thomas Stangls Werk "Was kommt". Er charakterisiert es als "Roman des Dazwischen": zwischen Erzählen und Nichterzählen, Vergangenheit und Zukunft, Raum und Zeit, Leben und Tod. Im Mittelpunkt sieht er zwei Pubertierende in Wien, Emilia im Sommer 1937, die studieren und andere Länder kennenlernen will, und Andreas, gemobbter Außenseiter Ende der siebziger Jahre. Wie sich für den Leser und die Figuren über die zeitliche Distanz zahlreiche Verbindungen und Übergänge auftun, aber auch Unterschiede sichtbar werden, hat Pfohlmann sichtlich beeindruckt. Geschichte werde in diesem Roman zu einem "dekonstruktivistischen Labyrinth ohne Hoffnung oder Trost, aber voller Gespenster". Stangls komplexer Roman ist für ihn ein "bemerkenswertes Stück Literatur", das sich durch virtuose Sprache auszeichnet, deren Vielschichtigkeit und Anspielungsreichtum man oft erst beim zweiten Mal Lesen aufnehmen kann.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.03.2009
Schlechterdings grandios findet Paul Jandl den neuen Roman von Thomas Stangl, den er als Fortführung des letzten Buches "Ihre Musik"in die "Vergangenheit hinein" gelesen hat. Offensichtlich geht es dem österreichischen Autor auch diesmal wieder um den literarischen Nachweis, dass sich die Gegenwart niemals als Kontinuum, sondern lediglich als Momentsplitter erleben lässt. Parallel wird von der Gymnasiastin Emilia erzählt, die 1937 ihre erste Liebe zum jüdischen Gregor erlebt, bis er eines Tages deportiert wird, und vom Schüler Andreas, der in den 70er Jahren unter den Quälereien seiner Mitschüler leidet, fasst der Rezensent zusammen. Die beiden Handlungsstränge, die nicht etwa chronologisch geführt sind, lassen Zeiten und Räume ineinander übergehen, sich spiegeln und verdoppeln, stellt Jandl beeindruckt fest, der nur manchmal findet, dass Stangl es mit seinen Sprachbildern etwas übertreibt. Nicht die bekannte geschichtsphilosophische Wendung von der sich wiederholenden Vergangenheit werde hier vorgeführt, sondern das unmittelbare Versinken des im Augenblick Erlebten in die Vergangenheit, konstatiert der Rezensent, der von diesem Roman, wie er schreibt, "tief beeindruckt" ist.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 12.03.2009
Als vom Sog der atemlos zusammengestauchten Sprachblöcke dieses Romans erfasst, outet sich Rezensentin Gisela von Wysocki, in der Thomas Stangls neues Buch eine faszinierte Leserin findet. Sie ist darin auch einer Figur aus Stangls letztem Roman, der Mutter-Tochter-Geschichte "Ihre Musik" wieder begegnet, nämlich der Mutter Emilia. Doch während "Ihre Musik" 1966 spielte, treffe man Emilia nun im Wien des Jahrs 1937 als junge Frau mit ihrem Geliebten wieder. Die Rezensentin bewundert an diesem "gedankenversunkenen Kosmos" besonders, wie es Stangl gelingt, darin Zeit und Ort im Blick seiner Figuren entstehen und zugleich das kommende Verhängnis anklingen zu lassen. Als besondere Volte begeistert sie der Schnitt ins Jahr 1977 zu einem rechtsradikalen kleinbürgerlichen Teenager, der als spießiges Gegenbild zum "exklusiven Paar" in der "wahnsinnig gewordenen Stadt von 1937" sowie als Exempel dient, wie stark ein individuelles Schicksal auch aus den dunklen Räumen der Vergangenheit genährt werden kann.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.03.2009
Florian Kessler ist Thomas Stangl offenbar gern auf seinem "großen, schweren Gang" durch das 20. Jahrhundert gefolgt. Der österreichische Autor stellt zwei Menschen der Wiener Leopoldstadt nebeneinander, die 17-jährige Emilia, die sich 1937 in einen jüdischen Kommunisten verliebt, und den etwas jüngeren Andreas, dessen Geschichte 1977 spielt. Der Rezensent stellt fest, dass das Vergehen der Zeit seltsam unfassbar bleibt, wie auch die Protagonisten irgendwie schimärenhaft wirken, was er aber keineswegs als Kritik aufgefasst sehen will. Der Titel "Was kommt" bezieht sich auf die unaufhaltsam auf die Hauptfiguren zukommende Zeitgeschichte, die für Emilia und Andreas doch immer in den "Niederungen des Alltags" erscheint, so Kessler gefesselt. Ganz von den Wahrnehmungen der Protagonisten bestimmt, bewege sich der Roman auf der Grenze von "Erzählen und Nicht-Erzählen" so der Rezensent fasziniert, für den dieses Buch schlechterdings "grandios" ist.
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