Bücherschau der Woche
Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
Über uns
Service für Leser
Service für Kunden
Aus dem Archiv
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
Links
Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Zwei Menschen, die miteinander alt geworden sind, beschließen, sich das Leben zu nehmen. Er ist schwer krank, sie will nicht ohne ihn sein. An einem Sonntag im Herbst 1991 setzen sie ihren Plan in die Tat um. Sie bringen den Hund weg, räumen die Wohnung auf, machen die Rosen winterfest, dann sind sie bereit. Hand in Hand gehen Vera und Istvan in den Tod, es ist das konsequente Ende einer Liebe, die die ganze übrige Welt ausschloss, sogar die eigenen Kinder. Johanna Adorjan rekonstruiert den Tag des Selbstmordes ihrer Großeltern, die alles andere waren als ein gewöhnliches Paar. Sie siezten sich ihr ganzes Leben, rauchten Kette und sahen umwerfend aus. Und sie hatten eine Vergangenheit, über die sie nicht sprachen. Weil sie sich nicht daran erinnern wollten. Als ungarische Juden hatten sie den Holocaust überlebt, waren Kommunisten geworden und 1956 während des Budapester Aufstands außer Landes geflohen. In Dänemark fingen sie ein neues Leben an und blickten - scheinbar - nie mehr zurück.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info):
Johanna Adorjan: Eine exklusive Liebe - Leseprobe beim Luchterhand Literaturverlag
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 24.03.2009
Barbara von Becker kann nur Gutes sagen über dieses Buch von Johanna Adorjan. Humorvoll und selbstironisch, mit "großer Sensibilität und Zuneigung", findet die Rezensentin, erzählt Adorjan die Geschichte vom Leben und Tod ihrer Großeltern. Diese beiden, Vera und Istvan, ein "aristokratisch" anmutendes Paar, wie Becker mitteilt, überlebten als ungarische Juden den Holocaust, wurden zunächst kommunistisch, flohen aber 1956 nach Dänemark. Und beschlossen nach fast fünfzig Jahren Ehe - Istvan war schwer herzkrank - sich gemeinsam das Leben zu nehmen. Wiederum Jahre später schickt sich die Journalistin Adorjan an, dem stets geheimnisvoll gebliebenen Großelternpaar auf die Spur zu kommen. Hierfür, erfahren wir, hat sie Dokumentarisches verwoben mit eigenen Erinnerungen, Reflexionen und der fiktiven Rekonstruktion der letzten Stunden von Istvan und Vera. Das alles geschieht stets ohne Verklärung, bilanziert Becker, für die dieses Buch ein Dokument ist gegen das Vergessen von Schicksalsgeschichten, wie sie speziell das 20. Jahrhundert in Europa geschrieben hat".
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 12.03.2009
Judith Luig hat den sehr persönlich gehaltenen Essay der Journalistin Johanna Adorjan über ihre jüdisch-ungarischen Großeltern, die sich 1991 im Kopenhagener Exil gemeinsam das Leben nahmen, vor allem auf die Rolle der Frau hin gelesen, respektive die der Großmutter Vera. Entlang eines Fragenkatalogs, der durch Gespräche mit Familie und Freunden sowie eigenen Erinnerungen abgearbeitet wird, rekonstruiert die Enkelin die wechselvolle Geschichte von Vera und Istvan Adorjan. Wie die Rezensentin betont, taucht im Verlauf der Erzählung neben der außergewöhnlichen exklusiven Liebe, die das Ehepaar lebenslang miteinander verbindet, eine weitere Liebe auf, die sich zwischen Johanna und Vera entspinnt: "Hier sucht eine Enkelin am Vorbild der Großmutter nach Antworten auf die Frage nach der eigenen Weiblichkeit", konstatiert Luig, die der Autorin Respekt für ihren Mut zollt, die selbst eingenommene Frauenrolle zu überprüfen, auch wenn daraus eine gewisse Unentschlossenheit resultiere.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.03.2009
Nüchtern äußert sich Christoph Bartmann zu Johanna Adorjans Buch über das Leben und Sterben ihrer Großeltern. Wegen der seit einiger Zeit extremen Popularität des Genres der Familienbiografie ist sein Interesse daran etwas erlahmt. Zwar hält er es für legitim, dass heute quasi Jedermann seine Familiengeschichte auf den Buchmarkt wirft. Aber er wünscht sich endlich wieder eine besondere Geschichte, "die uns ihrer Form und Sache nach mehr geben, als wir schon vorher wussten?. Auch Adorjans "Eine exklusive Liebe? scheint in seinen Augen diesem Kriterium nicht zu genügen. Das "literarische Ereignis?, als das sich das Buch feiern lässt, ist es in seinen Augen sicher nicht. Schlecht findet er es andererseits auch nicht, er hält es nur nicht für Literatur. Für ihn ist es in erster Linie ein journalistisches Buch in eigener Sache, das auf umfangreichen Recherchen basiert. Es wirkt auf ihn "sympathisch? und "aufrichtig?. Der Autorin bescheinigt er, den Familienstoff "anschaulich, manchmal heiter, dabei anrührend und trotzdem sachlich zu erzählen?. Allerdings vermisst er ein wenig die Reflexion. Und was das Besondere an dieser Familiengeschichte sein soll, wird für ihn nicht wirklich klar.
Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 26.02.2009
Als "berührend" lobt Ursula März das erste Buch der Berliner Journalistin Johanna Adorjan, in dem sie vom Selbstmord ihrer Großeltern schreibt, die sich nach einen halben Jahrhundert gemeinsamen Lebens und Liebens 1991 das Leben nahmen. Und es ist gerade der "gradlinig-nüchterne Stil" der Autorin, ihr selbstbewusst-respektvolles Verhältnis zum Stoff, dem dieses Buch aus Sicht der Rezensentin seine Qualität verdankt. Adorjan beginne mit der nüchternen Nachricht des Todes, und die Erzählung des Tages, den die Großeltern zu ihrem Todestag bestimmt haben, rahme die Erzählung ein, die in Exkursen immer wieder die historische und familiäre Geschichte des ungarisch-jüdischen Paares einflechte, das 1956 Ungarn verlassen und nach Dänemark ausgewandert sei. Dabei beeindruckt die Rezensentin das zwischen Dokumentation, Chronik und autobiografischer Selbstbefragung changierende Buch besonders durch die Mischung aus "moderner, mitunter zeitgeisthafter" und ironischer Saloppheit, mit der sich die Autorin ihrem Thema nähert.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Mehr Bücher aus dem Themengebiet
Von Lesern empfohlene Bücher
Peter Nadas: Parallelgeschichten
Aus dem Ungarischen von Christina Viragh. 1989, im Jahr des Mauerfalls, findet der Student Döhring beim Jogging ...
Klaus-Michael Bogdal: Europa erfindet die Zigeuner
Geborene Diebe und Lügner, Gefährten des Satans, Waldmenschen, unzähmbare Wilde, eine Bande von ...
Archiv: Bücherschauen
Uangenehm plausibel
11.02.2012: FAZ und taz sind höchst unterschiedlicher Auffassung über Christian Krachts neuen Roman "Imperium": Die eine erfreut sich an Krachts "prunkend exquisiter" Sprache, die andere meint: Pauschalreiseprosa. Die NZZ ist erschüttert von Drago Jancars Roman "Nordlicht". Der FR graust es in Benjamin Steins neuem Roman "Replay". Die SZ ist zwiespältig bei Zeruya Shalev. Die taz pisst außerdem mit Vergnügen in den Wind. Mehr lesen
Archiv: Vorgeblättert
Joan Didion: Blaue Stunden
09.02.2012: In "Blaue Stunden" erinnert sich die amerikanische Autorin Joan Didion an ihre Tochter, daran, wie es war, sie aufwachsen zu sehen und Abschied zu nehmen, als sie mit 39 Jahren starb. Es ist eine persönliche Bilanz über Erinnerung und Alter. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen
Maria Sonia Cristoff: Unbehaust
06.02.2012: Würden sich die Tiere an das erinnern, was der Mensch ihnen zumutet, wären wir (die Menschen) vom Aussterben bedroht. Lesen Sie hier einen Auszug aus Maria Sonia Cristoffs Geschichten zur unwahrscheinlichen Beziehung von Mensch und Tier: "Unbehaust. Was Menschen mit Tieren machen". Mehr lesen
Lisa Kränzler: Export A
02.02.2012: Um Love and Tears geht es im Roman von Lisa Kränzler, in dem sie von Lisa erzählt, einer 16-jährigen Austauschschülerin in Kanada, hin- und hergerissen zwischen Gehorsam und Ausbruch. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Erstlingsroman "Export A". Mehr lesen








